Von Susanne Schulz
Softwarehersteller entdecken den Mittelstand
Die großen Softwarehersteller Microsoft
und SAP
versuchen ihr ERP-Angebot für mittelständische Unternehmen preislich anzupassen. Microsoft hat seine Unternehmenssoftware Navision zuletzt um 30 Prozent verbilligt. SAP, weltweit führender Unternehmenssoftwarehersteller für Großfirmen, unterbietet dieses Angebot sogar mit seiner Einsteigersoftware Business One bei einem Preis von 1800 Euro je Arbeitsplatz um 150 Euro.
Microsofts Deutschland-Chef Jürgen Gallmann deutete jüngst in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" an, dass das Unternehmen sich mehr auf ERP-Programme für den Mittelstand konzentriern wolle: "Im kommenden Jahr wird es ein Feuerwerk an neuen Funktionen zur Analyse von Geschäftsdaten geben", sagte er der Zeitung. In diesem Zusammenhang ergebe es jedoch keinen Sinn, SAP auf dem Gebiet seiner angestammten Kundschaft unter den Großunternehmen Konkurrenz zu machen.
Doch die passende Softwarelösung fehlt noch immer: "Axapta, Great Plains und Navision von Microsoft sollen kleinere Firmen bedienen", sagt Analyst Stupening. "Aber dennoch zielen diese Produkte doch eher auf das obere Segment zwischen 500 und 3000 Arbeitsplätzen ab." Folglich wenden Unternehmen unter 500 Mitarbeitern eher Produkte kleinerer Softwareanbieter an.
Zertifizierung und Rating machen IT unentbehrlich
Unternehmensabläufe wollen aber nicht nur durch ERP-Systeme optimiert, sondern auch klar strukturiert und nachvollziehbar sein. Das kann besonders wichtig in Bezug auf Zertifizierungsverfahren wie Iso-Normen oder Rating-Kriterien im Rahmen von Basel II sein. "Hat ein Unternehmen mit Zertifizierungen zu tun, muss es für Qualitätsmanagement und Qualitätsbeschreibung sorgen. Das ist eine der Herausforderung für den IT-Einsatz des Unternehmens", sagt Stupening.
Auch der Hamburger Rechtsanwalt Henning Jacques legt mittelständischen Unternehmen die Anschaffung eines ERP-Systems ans Herz: "Der Mittelstand hat im Durchschnitt nur eine Eigenkapitaldecke von 17 Prozent und ist damit besonders auf Fremdkapital angewiesen." Kredite seien folglich eine überlebenswichtige Grundlage des mittelständischen Wirtschaftens.
Wer hier nicht der ersten Basel-II-Säule - den Mindestanforderungen für die Kreditvergabe (MAK) - gerecht werde, habe schlechte Karten, so Jacques. Obwohl die Regelungen von Basel II erst Ende 2006 in Kraft träten, wendeten Banken die MAK faktisch bereits an.
Die MAK schreiben das Rating vor, wonach eine externe Agentur oder die Bank selbst das Marktrisiko und das operationelle Risiko eines Unternehmens bewertet, bevor es ihm Kredit gewährt. Bei dieser Bewertung stehen folgende Punkte im Fokus: Eine Cashflow-Analyse, die Beurteilung der Ertragskraft des Unternehmens sowie die Bewertung der Kapitalstruktur. Es ist daher wichtig, dass diese Informationen für das Management jederzeit verfügbar sind.
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