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22.06.2004
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E-Praxis

E-Business lebt!

Von Lars von Thienen

2. Teil: Was bringt Standardsoftware?

Standardsoftware überall

Eine erste Gruppe verfolgt das Ziel, alle bestehenden Anwendungen in eine einheitliche Systemplattform mit Standardsoftware zu überführen. Viele Anwender großer ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning) führen beispielsweise Fremdapplikationen zurück auf die Plattform des Herstellers - sei es Internetsales, Customer Relationship Management (CRM), Supply Chain Management oder ähnliches. Unternehmen folgen quasi blind den neuen Produkten ein und desselben Herstellers.

Der vermeintliche Vorteil: Der Prophezeiung folgend können die Systeme und Module eines Anbieters miteinander kommunizieren. Die Integration scheint damit automatisch sichergestellt zu sein.

  Lars von Thienen  ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung BPS Business Process Solutions in Hamburg
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Lars von Thienen ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung BPS Business Process Solutions in Hamburg

Doch Vorsicht! Der Einsatz von Standardsoftware und die Verwendung einer Systemplattform kann zwar zum Ziel der Total-Business-Integration führen, doch wer auf einen Hersteller setzt, schränkt die Flexibilität der Anwender und der Prozessabwicklung erheblich ein. Denn je höher der Standardisierungsgrad in komplexen IT-Systemen, desto geringer ist die Flexibilität für die Abbildung individueller Prozesse.

Doch ein aus Sicht der Kunden oder Anwender optimaler Prozess darf nicht dem Korsett der Datenintegration zum Opfer fallen. Häufig ist ein enormer Aufwand für die Individualisierung des (vermeintlich optimalen) Standards erforderlich. Hohe Kosten sowie die Unzufriedenheit der Mitarbeiter und Kunden sind nicht selten die Folge. Dabei ist eine schnelle Reaktion auf Marktveränderungen ein kritischer Erfolgsfaktor.

Häppchen für den Datentransfer

Die zweite Gruppe verfolgt ein anderes Vorgehen. Dabei wird primär das Ziel verfolgt, die Flexibilität und Schlagkraft einzelner Abteilungen und Prozesse aufrechtzuerhalten. Es wird akzeptiert, dass nicht für alle Unternehmensbereiche, Standorte, Niederlassungen und Partner die gleiche Standardsoftware zwingend zur Integration erforderlich ist. Abweichende Plattformen und Systeme werden, sofern die prozessorientierte Flexibilität dies erfordert, akzeptiert.

Die IT verfolgt in diesem Szenario aber das primäre Ziel eine Datenintegration beziehungsweise Datensynchronisation sicherzustellen. Aus der E-Business-Euphorie der vergangenen Jahre sind hierzu praxistaugliche Technologie-Standards hervorgegangen. Auf Basis des XML-Datenstandards existieren so Produkte, die einen vollautomatischen Datenaustausch zwischen unterschiedlichen Plattformen und Herstellern sicherstellen können. Diese Anwendungen werden als Enterprise-Application-Integration (EAI) Systeme bezeichnet.

Durch diese EAI-Systeme können die aus Sicht der Kunden und Anwender erforderlichen, individuellen Prozesse meist effizienter unterstützt werden. Die Aufgabe der IT beschränkt sich hierbei nicht auf die aufwändige Anpassung des Systems und der Prozesse, sondern konzentriert sich auf die Synchronisation der Daten zwischen den Systemen. Hierdurch kann die Anforderung an eine Anpassungsfähigkeit und Flexibilität der Prozesse für die Anwender sichergestellt werden. Die IT muss sich der Aufgabe widmen, die Datenintegrität zu gewähren - nicht aber in den kundenorientierten Prozessen "herumzuwerken".

Konsequenzen für die Praxis

So ist es angeraten, dass Unternehmer und Fachbereichsverantwortliche kritisch hinterfragen, ob tatsächlich alle Anwendungen auf Standardsysteme eines Herstellers zu überführen sind. Im Unternehmen der Zukunft spielt die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Prozesse schließlich eine entscheidende Rolle. In der IT-Abteilung hingegen muss man sich vermehrt der Aufgabe stellen, zwar Prozesse weiterhin durch elektronische Anwendungen zu unterstützen, aber die Prozesse nicht durch standardisierte IT Systeme in Stein zu meißeln.

Für IT-Leiter gewinnt somit die Aufgabe des Programm-Managements an Bedeutung. Die Vielzahl der IT-Projekte dürfen nicht mehr isoliert betrachtet werden. Die Interdependenzen der einzelnen IT-Projekte untereinander müssen berücksichtigt werden. Das Profil des Projektmanagers wird durch die Anforderungen an das Programm-Management erweitert.

Die Integration von Systemen über Abteilungs- und Systemgrenzen hinweg ist heute nicht mehr zwingend mit der Forderung nach Standardsoftware verbunden. Total-Business-Integration ist das Ziel, Enterprise-Application-Integration-Produkte haben ein praxistaugliches Entwicklungsstadium erreicht. E-Business lebt, und zwar überall.

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