Von Niels Kruse
Blau macht eher schlapp als weiß
Allerdings macht vor allem ein Problem den Entwicklern derzeit noch zu schaffen: Die Lebensdauer liegt weit hinter denen herkömmlicher Produkte zurück. 1985, als der Hongkonger Chemiker Ching Tang die ersten OLEDs entwickelte, leuchteten sie gerade einmal wenige Minuten. Mittlerweile werden bis zu 200.000 Stunden erreicht. Nur leider nicht für jede Farbe, so Leo. Blau zum Beispiel macht eher schlapp als Weiß. "Nach einigen hundert Stunden Betriebsdauer hätte man also unschöne Farbverzerrungen."
Zwischen 50.000 bis 100.000 Stunden aber muss ein Fernseher heutzutage störungsfrei flimmern können - soweit sind die Leuchtplastik-Forscher aber noch nicht. Zumal noch nicht alle physikalischen OLED-Phänomene durchschaut sind, wie Leo einräumt. "Da hilft nur empirische Forschung", flachst der Professor. Im Klartext bedeutet das: Noch ist man in einigen Bereichen der Forschung nicht über das Trial-and-Error-Stadium hinaus.
Und es gibt weitere Probleme. Bislang kostet die Herstellung kleinerer OLED-Bildschirme das Zwei- bis Dreifache heute üblicher LED-Displays. Ein Grund dafür sind die hohen Produktionskosten. Die Herstellung der Bildschirme erfolgt unter Reinstraumbedingungen. Denn die Strukturen, mit denen es die Entwickler zu tun haben, sind so winzig, dass jedes Ministaubkorn ein ganzes Display funktionsunfähig machen würde. Jede einzelne OLED muss daher vollständig versiegelt sein, damit Außeneinflüsse wie Wasser und Sauerstoff nicht die empfindliche Technik stören.
Knicken und Biegen für die Dateneingabe
Flexible OLEDs, zum Beispiel für faltbare, elektronische und papierdünne Zeitungen sind zwar das Ziel nahezu aller Forscher. Wegen der Empfindlichkeit des Leuchtkunststoffes ist diese Vision aber kaum zu verwirklichen, glaubt Karl Leo. Denn es gibt bisher noch kein Material, dass flexibel genug wäre, um die OLED ausreichend zu schützen.
Immerhin haben Wissenschaftler der Sony Interaction Labors bereits ein Gerät entwickelt, bei dem die Dateneingabe über Knicken und Biegen des Displays möglich sein soll. Ein Prototyp namens Gummi verfügt bereits über die entsprechenden, wenngleich rudimentären, Eigenschaften. OLEDs allerdings sind bei Gummi noch nicht zum Einsatz gekommen. Das werde der nächste Schritt sein, haben die Japaner angekündigt.
Sollten die Entwickler in den nächsten Jahren ihre Vorstellungen realisieren können, dann steht uns nicht nur die Videotapete ins Haus. Auch OLED-beschichtete Fenster, T-Shirts und Kühlschranktüren wären möglich. Von Computer-, TV- und Handydisplays ganz abgesehen - ein Markt, mit dem schon jetzt mehr als 40 Milliarden Euro pro Jahr umgesetzt werden.
© manager magazin online 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH