Düsseldorf - Der Axel Springer Verlag
und Bertelsmann reden bereits seit Wochen über die Zusammenlegung ihrer Tiefdruckereien. Presseberichten zufolge stehen die Gespräche nun kurz vor dem Abschluss. Ein Grundsatzabkommen (Letter of Intent) solle Ende November oder Anfang Dezember unterzeichnet werden, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Branchenkreise.
In Tiefdruckereien werden Zeitschriften, Kataloge und hochwertige Beilagen herstellte. Im Zuge der Medienkrise war das Auftragsvolumen der Druckereien in den vergangenen Jahren stark rückläufig.
Dem Bericht zufolge soll die unternehmerische Führung des neuen Gemeinschaftsunternehmens bei Arvato liegen. Die 100-prozentige Bertelsmann-Tochter positioniert sich als internationaler Mediendienstleister mit 31.162 Mitarbeitern und einem Umsatz von 3,7 Milliarden Euro. Allein 43,3 Prozent der Erlöse stammen aus dem Druckereigeschäft.
Springer: Entscheidung noch vor Weihnachten
Noch in dieser Woche solle der Springer-Betriebsrat über die laufenden Gespräche informiert werden, hieß es. Eine Sprecherin des Axel Springer Verlags kündigte eine Entscheidung noch vor Weihnachten an.
Mit der Fusion entstünde ein neuer Branchenriesen von etwa 2800 Mitarbeitern in Europa. Branchenkenner meinen, das neue Unternehmen könne dann die Preise diktieren. Viele Verlage überlegten deshalb, ihre Druckereien abzugeben. Treiber der Konsolidierungswelle ist vor allem der Kostendruck, der schwache Werbemarkt und die Konkurrenz aus Osteuropa.
Teilschließungen und Entlassungen zu befürchten
Welche Auswirkungen der Zusammenschluss der Tiefdruckereien für die Standorte und Mitarbeiter haben könnte, ist derzeit noch nicht klar. Experten befürchten, dass es zu Teilschließungen und demzufolge zu Entlassungen kommen könne.
Einen Strich durch die Rechnung machen könnte noch das EU-Kartellamt, dennn das Joint Venture hielte europaweit rund 18 Prozent aller Druckkapazitäten. In Deutschland wäre die Dominanz weit größer.
Die Jahr-Familie erwägt Klage
Einen Marktteilnehmer dürfte der Zusammenschluss jedoch besonders verärgern, und zwar die Familie Jahr, die mit 25,1 Prozent an dem Verlagshaus Gruner+Jahr beteiligt ist; den Rest der Anteile hält Bertelsmann. Wie manager-magazin.de erfuhr, erwägt die Familie derzeit, gegen eine Fusion der Tiefdruckereien von Arvato und Axel Springer zu klagen.
Hintergrund: Der geplante Zusammenschluss könnte sich gegen die Druckereien von Gruner+Jahr und somit gegen die Interessen der Familie Jahr richten, denn durch den neuen Verbund würde sich der Wettbewerb im hiesigen Druckgeschäft und somit für Gruner+Jahr verschärfen. Branchenkenner werten die Nachricht als ein Zeichen dafür, dass die Beziehung zwischen Bertelsmann und der Familie Jahr weiterhin sehr sensibel sei.
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