Montabaur - Expansion wird wieder groß geschrieben. Der Internetdienstleister United Internet
hat am Donnerstag seine aggressive US-Expansionsstrategie gestartet. Dabei fühlt sich United Internet auf der sicheren Seite, denn die Ausgaben sollen wohl dosiert sein.
"Ich gehe davon aus, dass es zwei bis zweieinhalb Jahre dauert, das US-Geschäft aufzubauen", sagte Vorstandschef Ralph Dommermuth im Gespräch mit dpa-AFX. Er wolle bis 2006 in den Staaten die Gewinnschwelle erreichen.
Geplant ist, mit der Marke 1&1 Internet zu den fünf größten Web-Hostern im stark fragmentierten US-Markt aufzusteigen. Branchenkenner gehen davon aus, dass dazu rund 300.000 Kunden benötigt werden.
Web-Hoster bieten ihren Kunden Server in Hochleistungsrechenzentren zur Abwicklung des Datenverkehrs auf ihrer Homepage an. Dabei handelt es sich in der Regel um integrierte Komplettpakete, die außerdem auch Software zur Hompage-Erstellung und -Verwaltung beinhalten.
100 Tage Testphase
Das 1&1-Startangebot, das United Internet für die US-Kunden bereithält, ist zunächst kostenlos: "Wir bieten unseren Kunden ab Donnerstag in einer 100-tägigen Pre-Launch-Phase 500 MB Webspace inklusive vieler Softwarefeatures für die Dauer von drei Jahren kostenlos an. Die Kunden können sich ohne Kreditkarte für das Angebot registrieren und sparen damit über die gesamte Laufzeit rund 1000 Dollar", sagte Dommermuth. "Unser Ziel ist es, schnell von uns Reden zu machen, einen hohen Bekanntheitsgrad zu erreichen und von der Mund-zu-Mund-Propaganda im Internet zu profitieren", beschrieb er die Strategie.
Umsätze mit den Neukunden sind aus dem reinen Web-Hosting-Geschäft in diesem Jahr wegen des kostenlosen Angebots noch nicht zu erwarten. Einzig Domain-Registrierungen oder Domain-Transfers zu 1&1 sorgen für Erlöse. Ab dem nächsten Jahr wird 1&1 das gleiche Web-Hosting-Paket dann für 29,90 Dollar pro Monat anbieten. "Für 2003 ist mit keinen nennenswerten Erlösen aus den USA zu rechnen. Auch 2004 wird man beim Gesamtumsatz von United Internet noch nicht viel vom US-Geschäft merken. Es wird voraussichtlich ein paar Millionen Euro beisteuern", sagte der Vorstand.
Drei Millionen für den Anfang
Kostenpunkt der US-Expansion sind in diesem Jahr zunächst drei Millionen Euro, wovon der Löwenanteil von gut zwei Millionen Euro in Werbung investiert wird und die restliche Million Euro Gründungs- und Gemeinkosten darstellt. Bis zum Jahresende will 1&1 in allen bedeutenden US-PC- und -Internet-Magazinen doppelseitige Anzeigen schalten, die für das Startangebot werben. Die Höhe der künftigen Investitionen in den USA sei derweil noch offen. "Je besser das US-Geschäft anläuft, desto mehr werden wir investieren", erklärte der Manager.
Denn wenn es sich lohne, Kunden unter dem Barwert ihrer erwarteten zukünftigen Ergebnisbeiträge einzukaufen, dann sei es für United Internet sinnvoll, dies schnell tun. "Wenn die Kampagne also gut anläuft - das heißt, wenn wir viele Kunden gewinnen - denke ich an jährliche Werbeaufwendungen im niedrigen zweistelligen-Millionen-Euro-Bereich."
Dennoch hofft Dommermuth den Gewinn des United Internet-Konzerns auch im kommenden Geschäftsjahr weiter zu steigern. "Wir können unsere Werbeinvestitionen gezielt steuern, daher gehe ich davon aus, dass wir die Kosten leicht aus unserem organischen Ertragswachstum finanzieren können", prognostizierte er.
Zum laufenden dritten Quartal äußerte sich Dommermuth zuversichtlich. "Ich bin bester Dinge. Die Geschäfte laufen gut und ich fühle mich mit unserer Ergebnisprognose sehr komfortabel", sagte der Unternehmenslenker. Bei der Veröffentlichung seiner Halbjahreszahlen am 15. August hatte United Internet seine Jahresprognose 2003 nochmals leicht angehoben und peilt jetzt einen Umsatz von 415 Millionen Euro und einen Vorsteuergewinn in Höhe von 57 Millionen Euro an.
© manager magazin Online 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH