Von Alexandra Knape
Europäer basteln an eigenem GPS-System
Die USA wollen ihrer Verantwortung gerecht bleiben, hieß es in einer offiziellen Erklärung, denn im zivilen Bereich kann auf die Technik kaum mehr verzichtet werden. Einer der Hauptgründe, warum die Großmacht tunlichst darauf achtete, Europa nicht in Mitleidenschaft zu ziehen, dürfte aber gewesen sein, das die USA verhindern will, den Europäern für den Aufbau eines eigenen GPS-Satellitensystems das geeignete Argument zu liefern.
Denn genau das ist in der EU schon seit langem in Planung. EU-Kommissarin Loyola de Palacio versucht derzeit, den Aufbau des europäischen Satellitenprogramms Galileo vorantreiben, mit dem sich Europa vom US-GPS-System unabhängig machen könnte. Notfalls solle das Projekt auch ohne Beteiligung der Europäischen Raumfahrt-Agentur (Esa) durchgeführt werden, heißt es in einem aktuellen Artikel der "Wirtschaftswoche". In dieser Woche wollen sich demnach die EU-Verkehrsminister treffen, um unter anderem über den künftigen Sitz des Industriekonsortiums Galileo abzustimmen. Deutschland und Italien buhlen dabei bei der Standortfrage.
Milliarden Projekt mit Hürden
Galileo ist ein Prestige- aber vor allem auch ein teures Projekt. Allein die Kosten für die Entwicklung werden auf 1,1 Milliarden Euro beziffert. Weitere 2,5 Milliarden würde die Installation der insgesamt 30 Satelliten kosten, heißt es in der aktuellen "Zeit". Dazu kämen noch einmal jährlich 200 Millionen Euro Betriebskosten nach der für 2008 geplanten Fertigstellung. Die Kosten sollen sich die Europäische Raumfahrtagentur Esa und die EU teilen.
Kein Wunder, dass die Begeisterung für das Mamutprojekt bei den einzelnen Regierungen lange Zeit gering war - auch wenn einer Studie zufolge damit gerechnet wird, dass sich Galileo einmal wirtschaftlich rechnen könnte. Anders als bei dem amerikanischen GPS-Angebot wollen die Europäer Presseberichten zufolge nämlich die Nutzung der Satellitentechnik für den zivilen Gebrauch keinesfalls kostenlos zur Verfügung stellen. Geplant seien einträgliche Nutzungslizenzen.
Streit über den Finanzierungsschlüssel
Bisher verliefen die Planungen für Galileo jedoch nur schleppend. Seit Monaten verhinderte ein Zwist über den komplizierten Finanzierungsschlüssel den Start des ambitionierten Projekts. Jüngst schossen Italien, Spanien und Deutschland quer und verhinderten damit einen Kompromiss. Italien beanspruchte eine führende Position, genauso Deutschland. Doch eine Einigung rücke näher, hieß es unlängst in Presseberichten. Italien und Deutschland hätten sich geeinigt.
Den Franzosen dürfte das Projekt zumindest besonders gut in ihre Politik passen. Ohne ein eigenes Satellitensystem bleibe man immer "Vasall der USA", tönte Präsident Jacques Chirac vor kurzem. Die USA antworteten prompt. Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz forderte den Stopp des Satellitensystems. Von gefährlichen Auswirkungen war da die Rede. Unkontrollierte Nutzung – wohlmöglich terroristische - war damit wohl gemeint.
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