Von Alexandra Knape
Hamburg - "Hunderttausende von Autofahrern können bei einem Kriegsausbruch ihrem Navigationsgerät nicht mehr trauen." So und ähnlich klangen die Warnungen, die die Automobilclubs und Militär-Experten noch in der vergangenen Woche vor Kriegsbeginn europaweit ausstießen.
Seitdem ist es ruhig geworden. Anders als im Golfkrieg 1991 laufen die Navigationssysteme, die die GPS-Technik ("Global Positioning System") nutzen, ungestört weiter. Warum die Störungen nicht eintraten, hat vielerlei Gründe. Ausschlaggebend waren sicherlich politische Überlegungen.
Ferngelenkte Bomben
Zum Hintergrund: GPS ist eine von den USA betriebene Satellitentechnik, mit der die eigene Position bis auf wenige Meter genau bestimmt werden kann. 30 GPS-Satelliten kreisen derzeit in einer Höhe von 23.000 Kilometern um die Erde. Sie gehören dem amerikanischen Militär.
In militärischen Diensten ist die GPS-Technik vor allem im Kampf an vorderster Front nützlich: nicht nur zur Ortung der einzelnen Brigaden sondern auch zur Steuerung der so genannten intelligenten Raketen. Mit den ferngelenkten Präzisionswaffen - wozu auch Laser-gesteuerte Bomben zählen - sollen die gegnerischen Stellungen punktgenau attackiert werden. In der Öffentlichkeit wird dann gerne von "chirurgischen Schlägen" berichten.
Navigationssysteme ohne Anschluss
Die Technik wird allerdings nicht nur von der Armee eingesetzt, sondern ist auch für zivile Zwecke offen. Mittlerweile nutzen einige Millionen Autofahrer GPS-Navigationssysteme. Längst hat GPS in der Schifffahrt, bei Logistikunternehmen, Geodäten und Berg- und Wüstenwanderern Einzug gehalten. So werden ganze Fahrzeugflotten per Satellitensystem gesteuert, im Hafen Container geortet – neuerdings kann man sogar auch Autos mit einem Chip versehen, damit die Karosserien wieder gefunden werden, sollten sie einmal gestohlen werden.
Militärexperten hatten nun im Vorfeld des Irak-Krieges damit gerechnet, dass die USA zu Kriegsbeginn die GPS-Signale umcodieren - mit weitreichenden Folgen. Die Signale wären verfälscht worden. Mit den Veränderungen hätten die Amerikaner von vornherein verhindert, dass die Iraker nicht ihrerseits Satelliten-gesteuerte Raketen auf die US-Truppen abfeuern, erklärt ein Sprecher des deutschen Automobilverbands AvD gegenüber manager-magazin.de.
Zudem hieß es, die USA wollten möglicherweise die Konstellation der GPS-Satelliten so verändern, dass in der Golfregion die maximale Leistungsfähigkeit erreicht werden könne. Das hätte die anderen Regionen wiederum geschwächt. Dass die zivilen GPS-Frequenzen sogar einfach abgeschaltet würden, um das eigene Netz zu stärken oder die gegnerische Position zu schwächen, damit rechneten Experten allerdings nicht.
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