Von Martin Scheele
mm.de: Aus anderen Kriegsgebieten der Welt kennen wir diese Zweiteilung in Gut und Böse nicht ...
Kleinsteuber: Nehmen Sie das Beispiel Bürgerkrieg an der Elfenbeinküste, da werden "Feind" und "Freund" gleichermaßen dargestellt. Westliche Medien bemühen sich um faire Darstellung des zugrundeliegenden Konflikts, die eine wie die andere Seite werden zitiert.
mm.de: Wie sieht die Medienstruktur in den USA aus, haben kritische Stimmen eine Chance?
Kleinsteuber: Eigentlich sind die USA für eine umfassende Pressefreiheit bekannt. Doch in Zeiten der Vorkriegs- und Kriegsberichterstattung ist das erfahrungsgemäß anders. Das liegt zum Teil am System. Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk wie aus Deutschland kennen die Amerikaner nicht. Es gibt praktisch nur werbefinanzierten Rundfunk, außer Public Television, der auf drei Prozent Reichweite kommt.
Fast alle TV-Lokalsender sind den vier Networks wie ABC oder CBN angeschlossen, von denen sie die überregionale und internationale Berichterstattung übernehmen. Auch CNN lebt von Werbung. Es gibt allerdings einige bekannte "Widerstandsnester", vor allem im Internet. Dazu zählen Anbieter wie MediaChannel.org, das Center for Media and Democracy (prwatch.org), oder AlterNet.org Sie halten interessantes Material gegen den "visuellen Hurra-Patriotismus" bereit. Dort kann man auch viele Hintergrundberichte zur PR-Politik der Regierung finden. Gleichwohl muss betont werden, dass trotz der medialen Kriegsbegeisterung in den Medien Meinungsumfragen belegen, dass die Amerikaner den Irak-Krieg durchaus differenziert sehen.
mm.de: Sehen Sie noch eine Chance, dass der mögliche Irak-Krieg nicht stattfindet?
Kleinsteuber: Es gibt nach wie vor verschiedene Optionen. Eine wäre zum Beispiel, dass Saddam rechtzeitig ins Exil geht. Präsident Bush wird allerdings den Krieg kaum mehr abblasen können, stände er doch dann als Feigling dar.
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