Der Formel 1 droht derweil nach einem einschneidenden Beschluss aus Brüssel die Flucht aus Europa. FIA-Präsident Max Mosley hatte sich dafür ausgesprochen, das Tabakwerbeverbot einheitlich erst zum Ende des Jahres 2006 einzuführen: "Die Länder, die es eher machen, riskieren den Verlust ihres Grand Prix. Und im Fernsehen flimmern dann halt aus anderen Ländern die Tabak-Images über den Bildschirm."
Die konsequente Umsetzung dieser Drohung musste bereits der Große Preis von Belgien in Spa erfahren. Wegen des Tabakwerbeverbots im deutschen Nachbarland wurde das Rennen in den Ardennen kurzerhand 2003 gestrichen.
Droht Hockenheim das Aus?
Der EU-Beschluss hat womöglich auch weit reichende Konsequenzen für die beiden deutschen WM-Rennen auf dem Nürburgring und in Hockenheim. Zu Stellungnahmen waren die beiden Geschäftsführer der Rennstrecken am Montagnachmittag nicht zu erreichen. Der Nürburgring hat noch einen Vertrag bis 2004, der aber verlängert werden soll, Hockenheim bis 2008.
In der Branche heißt es, das vorgezogene Tabakwerbeverbot könnte eine Tendenz in der Formel 1 beschleunigen, die sich ohnehin immer deutlicher abzeichne. Die "Königsklasse" des Automobilsports will zu einem Welt umspannenden Wettbewerb werden.
Ab 2004 werden ürbigens erstmals WM-Läufe in Bahrain und Schanghai ausgetragen. Ein Jahr später soll das Debüt in Istanbul folgen. Der Vertrag stehe kurz vor der Unterzeichnung, heißt es. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hatte zuvor erklärt, er habe sich für die Millionen-Metropole am Bosporus und gegen die Bewerber Izmir und Antalya entschieden.
Ägypten und Co. wittern ihre Chance
Bei einer Aufnahme der Türkei könnten andere europäische Rennen aus dem Formel-1-Zirkus gestrichen werden. Bedroht sind vor allem Imola, Budapest oder Zeltweg. Im kommenden Jahr umfasst die WM nach der Streichung von Spa nur 16 Läufe. Sollte sich die Werbesituation in Belgien verändern, könnte das Rennen 2004 wieder zurückkehren.
An Bewerbern mangelt es der FIA nicht. Mehrere Länder haben ihr Interesse bekundet, darunter Argentinien, Ägypten, der Libanon und zwei Länder im Mittleren Osten. Auch Indonesien wolle ein Rennen, heißt es aus Paris, dies sei aber nicht auf der FIA-Liste.
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