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28.11.2002
 

"FAZ"

Massenentlassung bei den Frankfurtern

Von Michaela Schießl

Die Medienmisere nimmt kein Ende. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" entlässt in einer zweiten Sparrunde hunderte von Mitarbeitern – davon 60 Redakteure. Kultautor Florian Illies verlässt den Verlag.

Berlin - Seit Anfang der Woche war die Atmosphäre in den Redaktionsstuben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) seltsam gespannt. "Jeder hier spürt das Damoklesschwert über sich", schilderte ein Redakteur die Stimmung am Mittwochmorgen.

FAZ: Schmerzhaftes Gesundschrumpfen
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FAZ: Schmerzhaftes Gesundschrumpfen

Dann kam die erste schlechte Nachricht: Florian Illies, Leiter der Berliner Feuilleton-Redaktion, verlässt seinen Posten. Der 31-jährige Kultautor der Bücher "Generation Golf" und "Anleitung zum Unschuldigsein" war 1997 von Mitherausgeber Frank Schirrmacher geholt worden – und wurde als Gründer und Chef der im Juni eingestellten "Berliner Seiten" für viele zum Symbol für den Aufbruch im konservativem Blatt. Nun zieht er vor, als fester Autor für die FAZ zu schreiben.

Kaum war der Schock über diesen Promi-Abgang (Schirrmacher: "eine der größten persönlichen Niederlagen meines Lebens") verdaut, kam der eigentliche Hammer. Das Damoklesschwert sauste herab: Die FAZ GmbH machte ihre erst zwei Wochen alte Ankündigung wahr, wonach in einer weiteren Kürzungsrunde 20 Prozent der Personalkosten eingespart werden müssen.

Etwa 100 Mitarbeiter in der Redaktion erfuhren, dass sie nur noch bis zum 1. April 2003 beschäftigt werden – davon rund 60 Redakteure. Nicht einmal die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" wird geschont, auch hier müssen mehrere Leute gehen. Gleiches gilt für den mitarbeiterstarken Verlagsbereich, wo ebenfalls ein Fünftel der Personalkosten gespart werden müssen. Insgesamt 1300 Mitarbeiter arbeiten derzeit bei der FAZ GmbH.

Schmerzhafte Gesundschrumpfung

Ein großer Teil des jetzigen Personalabbaus wird über Altersteilzeit-Verträge und Aufhebungs-Vereinbarungen realisiert, doch es kommt auch zu betriebsbedingten Kündigungen. Wie Lichtjahre entfernt scheint nun Zeit des Börsen- und Anzeigenbooms, als die FAZ Redakteure zu Hunderten einstellte und die Schreiber-Flotte auf 410 anwuchs. Nun, in einer beispiellosen wie für viele Verlage Existenz gefährdenden Medienkrise folgt die schmerzhafte Gesundschrumpfung.

Hintergrund der erneuten Entlassungswelle ist die anhaltend schlechte Wirtschaftslage. Die miese Konjunktur reißt den Anzeigenmarkt mit in die Tiefe. Durch die von der Regierung geplante Besteuerung der Dienstwagen schalten nun auch noch die Automobilhersteller weniger Werbung in den Medien. Medienkenner prophezeien, dass am Schluss dieser schlimmsten aller Branchenkrisen nur noch zwei große überregionale Zeitungen übrig bleiben werden – und die FAZ ist wild entschlossen, eine davon zu sein.

2001 hatte die FAZ-Gruppe erstmals in ihrer Geschichte Verluste geschrieben und einen Jahresfehlbetrag von 27,0 Millionen Euro verbucht. Das Unternehmen hat zwar Eigenkapital. Ein Großteil ist aber in Immobilien gebunden und kann nicht zur Finanzierung der Verluste dienen. So wird auch in diesem Jahr mit einem Defizit gerechnet. Der jetzige Personalabbau, so hofft man in der Führungsetage, soll genügen, um in Zukunft eine schwarze Null zu schreiben. Diese Rechnung geht allerdings nur auf wenn die wirtschaftliche Situation, sprich das Anzeigengeschäft, sich nicht weiter verschlechtert.

Darauf hatte man allerdings schon nach der ersten Sparrunde gehofft. Seit Frühjahr wurden - auch durch Kündigungen - etwa 150 Stellen gestrichen. Die Internet-Aktivitäten wurden eingeschmolzen, die FAZ-Business-Radiosender in München, Berlin und Frankfurt geschlossen. Ferner wurde angekündigt, sich zu angemessener Zeit von den Buchverlagen zu trennen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Säuft die "FAZ" ab?

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