Von Eva Müller
In den 90er Jahren sorgte die Informations- und Kommunikationsbranche für einen nie da gewesenen Aufschwung. Der PC, das Mobiltelefon und zuletzt das Internet erzeugten immer neues Wachstum. Fehlt jetzt das nächste große Ding?
Gadiesh: Das Web ist und bleibt eine der größten sozialen Veränderungen der Geschichte. Die globale Vernetzung beeinflusst unser Leben ganz grundsätzlich, ermöglicht uns Kommunikation mit Menschen, die wir auf andere Art niemals so leicht und preiswert erreichen könnten. Aber das Internet bedeutet beileibe keine Revolution für das Geschäftsleben.
mm: Die Unternehmen muss das Web also nicht kümmern?
Gadiesh: Die Vernetzung der Computersysteme ist ein wertvoller Stellhebel für Firmen, um ihre vorhandenen Ressourcen besser zu nutzen. Sie hilft, Kosten zu senken und effizienter zu produzieren oder Dienste anzubieten. Allerdings nur, wenn wirtschaftliches Denken die Internet-Aktivitäten bestimmt und nicht die Faszination technischer Spielereien.
mm: Wenn effizienter Computereinsatz so simpel ist, warum haben viele Unternehmen Unsummen in Technikprojekte investiert?
Gadiesh: Vielleicht hatten sie schlechte Berater.
mm: Haben nicht gerade die Berater die Unternehmen gedrängt, unbedingt in die globale Vernetzung einzusteigen?
Gadiesh: Ich will nicht über die Konkurrenz lästern. Wir bei Bain & Company jedenfalls haben niemals in den Technik-Hype eingestimmt.
mm: Ach was. Warum betreiben Sie dann die Bain-Labs, in denen Sie Internet-Start-ups päppeln?
Gadiesh: Wie der Name schon sagt: Wir schauen uns im Labor an, was etablierte Unternehmen von den neuen Ideen lernen können. Aber wir schubsen die Konzerne sicher nicht in irgendwelche Abenteuer. Mal ganz abgesehen davon, dass sich ein guter Vorstand von keinem Berater der Welt drängen lässt.
mm: Warum treffen viele Topmanager so eklatante Fehlentscheidungen?
Gadiesh: Der Internet-Boom hat die Führungskräfte erschreckt, eingeschüchtert und verwirrt. In dem ganzen Web-Hype kam das strategische Denken häufig zu kurz.
mm: Sitzen in den Konzernspitzen massenhaft Dummköpfe?
Gadiesh: Das bestimmt nicht. Aber die Topleute fangen gerade erst an zu verstehen, was die Informationstechnologie für ihre Unternehmen überhaupt bedeutet. Sie realisieren nur langsam, dass der richtige Einsatz von IT über das Wohl und Wehe ihres Geschäfts entscheiden kann.
mm: Sind Sie sicher? Uns singen Vorstände schon seit Jahren vor, wie wichtig Computer und Internet seien.
Gadiesh: Ja, ja, reden tun die Entscheider viel von Technologie. Schließlich machen die Ausgaben für Informationstechnologie und Telekommunikation mittlerweile den größten Teil der Kapitalinvestitionen der Unternehmen aus. Aber die Entscheidungen, wofür nun tatsächlich Geld fließt, delegieren die Vorstände an ihre EDV-Leiter.
mm: Was soll daran schlecht sein?
Gadiesh: Die Fachleute sind verliebt in technologische Möglichkeiten. Die Experten kaufen raffinierte Produkte, die sie faszinieren, und nicht Lösungen, die Geschäftsprozesse verbessern.
mm: Was sollen Vorstände und Geschäftsführer tun? Müssen sie jetzt selbst in die Computertechnik einsteigen?
Gadiesh: Natürlich nicht. Kein Mensch verlangt von Topmanagern, dass sie programmieren oder ein Netzwerk zusammenstöpseln können. Aber sie müssen zumindest ein Verständnis dafür entwickeln, wie Technologien zum betriebswirtschaftlichen Erfolg beitragen können.
Test: Prüfen Sie mit zehn Fragen, ob Sie die Technik in Ihrem Betrieb richtig einsetzen
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