Berlin - Der Nachfolger des seit fast 20 Jahren amtierenden ZDF-Intendanten Dieter Stolte ist noch nicht bestimmt - an diesem Donnerstag soll ein Kandidat gewählt werden - da tickert es durch die Medien, dass Dieter Stolte inzwischen ein neues Nest gefunden hat. Der Fernsehmann wird Anfang April 2002 Herausgeber von der "Welt" und der "Berliner Morgenpost". Chefredakteur beider Blätter soll dem Bericht zufolge Wolfram Weimer werden. Der bisherige "Mopo"-Chefredakteur Herbert Wessels verlässt den Verlag.
Neue Aufgabe - neues Glück – mit einem Paukenschlag rollt Stolte in sein neues Amt. Auch wenn es der Axel Springer Verlag selber ist, der da die Trommel rührt.
"Welt" und "Berliner Morgenpost" aus einer Feder
Am Donnerstag teilte das Verlagshaus mit, dass die Redaktionen und Verlage seiner Tageszeitungen "Berliner Morgenpost" und "Die Welt" zusammenlegt werden sollen. Beide in Berlin produzierten Blätter erscheinen aber weiterhin als eigenständige Titel, hieß es. Die Regionalausgabe München der "Welt" wird jedoch eingestellt.
"Mit der Zusammenlegung der Redaktionen erhöhen wir die Qualität der beiden Zeitungen und nutzen gleichzeitig erhebliche Synergiepotenziale", erklärte Zeitungsvorstand Mathias Döpfner, der Anfang 2002 das Amt des Vorstandschefs übernimmt. "Damit legen wir das Fundament für eine Marketing- und Qualitätsoffensive im hart umkämpften Berliner Zeitungsmarkt."
Gemeinsame Artikel und Bilder
Künftig soll eine gemeinsame Redaktion sämtliche Artikel und Fotos unter Regie des "Welt"-Chefredakteurs Wolfram Weimer produzieren. Die überregional erscheinende "Welt" wird den Angaben zufolge als Bundesausgabe sowie als Regionalausgabe Berlin und Hamburg/Bremen erscheinen. Die Regionalausgabe München wird eingestellt.
Stellvertreter Weimers und Redaktionskoordinator Berlin wird nach Verlagsangaben mit sofortiger Wirkung Jan-Eric Peters, 36. "Die Welt" werde wie bisher als überregionale Zeitung in der bundesweiten Ausgabe erscheinen sowie mit der Regionalausgabe Berlin, die bereits von der "Berliner Morgenpost" erstellt wird, und den Ausgaben Hamburg/Bremen. Der derzeitige Chefredakteur der "Berliner Morgenpost", Herbert Wessels, 56, werde seine Tätigkeit beenden.
Erheblicher Personalabbau
Folge der Fusion ist ein "Personalabbau in erheblichem Umfang", sagte Verlagssprecherin Edda Fels. Im Redaktions- und Verlagsbereich werde dabei nach sozialverträglichen Lösungen gesucht, doch seien betriebsbedingte Kündigungen nicht auszuschließen. Wie viele Arbeitsplätze genau betroffen sind, sagte sie nicht.
Der Deutsche Journalistenverband (DJV) wertete die Zusammenlegung als "Irreführung des Lesers". Faktisch werde die "Morgenpost" in Berlin vom Markt genommen, da die überregionalen Texte künftig von der "Welt" stammten. Nach Angaben des DJV sollen durch die Zusammenlegung 260 Arbeitnehmer - rund 20 Prozent - ihren Arbeitsplatz verlieren.
Der Axel Springer Verlag hatte Anfang November ein drastisches Sparprogramm angekündigt. Bis Ende 2003 soll dort jede zehnte Stelle wegfallen - insgesamt mehr als 1400 Arbeitsplätze. Beim Verlag ist im ersten Halbjahr 2001 das operative Konzernergebnis von 127 Millionen auf 34 Millionen Euro eingebrochen. Bereits im Boomjahr 2000 hatte der Verlag einen rückläufigen Gewinn von einem Drittel auf 98 Millionen Euro verzeichnet.
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