Düsseldorf - Der US-Medienkonzern Liberty Media hat die von Bertelsmann erhobenen Vorwürfe gegen sein Engagement am deutschen Kabelmarkt zurückgewiesen.
Der Herr der Kabel: Liberty-Chef John Malone
Laut "Süddeutscher Zeitung" erklärten Bertelsmann und RTL in einer Eingabe an die Wettbewerbshüter, der Verbraucher könnte künftig weniger Programme frei empfangen. "Für Programme, die bisher kostenfrei waren, müsste künftig extra gezahlt werden", zitierte das Blatt aus dem Schreiben. Nach Informationen der Zeitung will Liberty beim Digitalfernsehen die bislang frei empfangbaren Sender in einem "Basispaket" für zusätzlich rund zehn Mark pro Monat anbieten. Dazu sagte der Unternehmenssprecher, ihm seien keine solchen Pläne bekannt.
Bislang seien keinerlei Preismodelle beschlossen. Allerdings existieren nach den Worten des Sprechers im internationalen Liberty-Konzern entsprechende Paketangebote. Der Sprecher wies zudem die laut "Süddeutscher Zeitung" gegenüber dem Kartellamt aufgestellte Behauptung von Bertelsmann und RTL zurück, Liberty ziele auf die Vorherrschaft in Europa ab. Diese Aussage sei angesichts einer Präsenz in zwei europäischen Ländern "gewagt".
Die Liberty Media Corp, Englewood/Colorado, hat mit der Deutsche Telekom AG die Übernahme von zwei Dritteln des Kabelnetzes der Bonner Gesellschaft vereinbart. Dem Vernehmen nach hat der US-Konzern ein Rücktrittsrecht. Das Geschäft wird vom Kartellamt kritisch geprüft.
Den Erhalt der Eingabe wollte das Bundeskartellamt nicht bestätigen. Ein Behördensprecher verwies aber darauf, dass sich Bertelsmann und Liberty zu dem laufenden Prüfverfahren hätten beiladen lassen. Damit hätten die Unternehmen die Möglichkeit, Stellungnahmen abzugeben. In dem Verfahren könnten auch Dritte mit der zuständigen Beschlusskammer Gespräche führen. Das Kartellamt untersucht neben dem Kauf des Telekom-Netzes auch die von Liberty angekündigte Übernahme des Kabelnetzbetreibers Telecolumbus von der Deutschen Bank AG.
Außerdem betrachtet die Behörde die Prüfung der Übernahme des Kabelunternehmens Primacom durch den niederländischen Konzern UPC in Zusammenhang mit den Plänen Libertys. Das US-Unternehmen ist an UPC indirekt beteiligt. Das Kartellamt untersucht, ob durch die Engagements von Liberty eine beherrschende Stellung auf dem Kabelfernsehmarkt entsteht. Der Konzern tritt nicht nur als Infrastrukturgeber, sondern auch als Anbieter von Inhalten auf. Unter anderem hatte Liberty angekündigt, bei dem defizitären Bezahlfernsehsender Premiere World einsteigen zu wollen.
Der Konzernsprecher sagte, mit dem australischen Medienunternehmer Rupert Murdoch liefen weiterhin weit fortgeschrittene Verhandlungen über dessen Anteil von 22,03 Prozent an Premiere. Der Pay-TV-Sender gehört mehrheitlich zur Münchner Kirch-Gruppe. Liberty-Chairman John Malone hatte in einem am Wochenende erschienenden Interview das Interesse an Premiere relativiert. Liberty würde eine gemeinsame Vermarktung des Programms einer Kapitalbeteiligung vorziehen, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
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