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21.08.2001
 

Web-Wirklichkeit

Arroganz - die sechste Todsünde

Von Eva Müller

E-Business ist teuer, kompliziert und riskant. mm zeigt, wie Sie die sieben Internet-Todsünden vermeiden. Lesen Sie, warum E-Business menschlich sein muss.

Hamburg - Der neue Online-Katalog von Hewlett-Packard war perfekt: Die Seiten, über die Lieferanten des Computerkonzerns HP-Logos ordern sollten, bauten sich blitzschnell auf. Die Navigation war simpel, die Bedienung kinderleicht. Trotzdem blieben zunächst die Bestellungen aus.

Des Rätsels Lösung: Die Firmen, die im Auftrag von Hewlett-Packard PC, Drucker und Scanner herstellen, konnten ihre Warenwirtschaftssysteme nicht an den Katalog anbinden.










mm-Exklusivstudie
Hundert Kurzporträts erläutern, was Deutschlands Top-100-Unternehmen bereits im Internet geleistet haben und welche Herausforderungen ihnen noch bevorstehen.

Zum E-100-Vergleich
"Wir hatten es schlicht unterlassen, die zukünftigen Nutzer frühzeitig in die Entwicklung einzubeziehen", gesteht Einkaufsleiter Karlheinz Hauber. Nach intensiver Schulung nutzt mittlerweile die Hälfte der HP-Zulieferer den Logo-Katalog.

Vernachlässigung derjenigen, die mit den neuen Internet-Programmen arbeiten sollen, führt häufig zum Scheitern von E-Business-Projekten. Vor lauter Begeisterung über die Wunder der Technik begehen die Initiatoren die sechste Todsünde bei der Digitalisierung eines Unternehmens: Sie unterschätzen die Bedenken und Bedürfnisse der betroffenen Menschen.

Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden und Partner bestimmen, ob das E-System effizient eingesetzt oder übersehen wird. Angst vor Veränderungen, falsche Prioritäten oder mangelndes Wissen über technische Funktionen gefährden den Erfolg von Web-Projekten stärker als jeder PC-Crash.

Will die Firmenführung den Absturz verhindern, muss sie für einen Kulturwandel sorgen. Den vollzieht sie idealerweise in drei Schritten.

Kommunikation: Die Topetage darf nicht versäumen, ihre Vision von der Cyberzukunft allen Beteiligten innerhalb und außerhalb des Unternehmens mitzuteilen. Sie sollte klarstellen, wie wichtig die Umstellung für das Gedeihen der Firma ist.

Gleichzeitig muss das E-Team den Betroffenen überzeugende Antworten auf die Frage geben: "Was bringt mir das?" Ohne E-Business-Gewäsch, sondern in quantifizierbaren Vorgaben. Beispiel: "Dieses Werkzeug erhöht Ihre Produktivität um 20 Prozent." Positive Vorbilder, etwa aus Pilotprojekten, erzeugen Verständnis für anfängliche Mehrarbeit.

Weiterbildung: Im zweiten Schritt lernen die künftigen Nutzer den Umgang mit der Technik und machen sich mit neuen Prozessen und Methoden vertraut. Einsatz von Mentoren in den Bereichen hilft, die Angst vor dem Unbekannten zu überwinden.

Motivation: Finanzielle Anreize, das ist der dritte Schritt, fördern die Bereitschaft, das neue System aktiv zu nutzen. Bei den eigenen Mitarbeitern können das variable Gehaltsbestandteile sein, bei Zulieferern günstigere Konditionen, bei Kunden bessere Preise.

Die virtuelle Welt, das zeigt sich auch hier, funktioniert eben nicht anders als das reale Leben: Die Menschen wollen informiert, eingebunden und auch ein bisschen hofiert werden.


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