Von Eva Müller
Hamburg - Sie haben sicher schon gehört - oder erlebt - wie kompliziert die Einführung eines SAP-Systems ist. Multiplizieren Sie nun den Aufwand mit 300.
Jetzt haben Sie eine ungefähre Vorstellung von der komplexen IT-Landschaft im Siemens-Konzern. Dort existieren rund 300 SAP-Varianten. Und die sollen mit Internet-Programmen verbunden werden.
Nicht nur bei Siemens, auch in vielen anderen Unternehmen schmoren arme Teufel in der Technik-Hölle. Sie versuchen, die vorhandenen Systeme in die Web-Welt zu integrieren, ohne das laufende Geschäft zu stören.
Die schwere Aufgabe misslingt zwangsläufig, wenn den E-Beauftragten die vierte Todsünde unterläuft: Sie versäumen, vor der Einführung von Web-Programmen die bestehende IT-Infrastruktur zu sanieren.
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Das Chaos lässt sich entwirren. Am Anfang steht die Analyse. Welche bestehenden Lösungen sind für ein erfolgreiches E-Business notwendig, welche nicht? Wo gibt es Schwierigkeiten bei der Verknüpfung mit der neuen Software? Welche Schwachstellen verhindern, dass die definierten Ziele erreicht werden? Spezialfirmen wie ClariTeam messen die Leistungsfähigkeit der Systeme und zeigen die drängendsten Probleme auf.
Nun ist die bestehende Infrastruktur zu sanieren. Standardprozesse müssen definiert werden. Anschlüsse und Datenformate sind zu vereinheitlichen. Wo dies nicht möglich ist, helfen Übersetzungsplattformen.
Die Zwischenstücke, Middleware genannt, bereiten Daten aus verschiedenen Programmen so auf, dass sie von jeder anderen Software verstanden werden. Firmen wie Tibco und SeeBeyond, IBM und SAPMarkets bieten die Dolmetscher an.
Bloß nicht zu schnell losbrausen. Das Zusammenkoppeln von alter und neuer IT-Welt sollte schrittweise mit definierten Prioritäten geschehen.
Bei kritischen Prozessen empfiehlt es sich, ein Testsystem zu konstruieren. Dienstleister wie EDS offerieren solche Sandkastenspiele. Manchmal ist es sinnvoll, alte und neue Lösung zunächst parallel zu betreiben. Grundsätzlich muss eine E-Zentrale die technische Realisierung der Web-Strategie organisieren. Die Experten definieren, wie die IT-Landschaft aussehen soll. Sie erstellen Blaupausen für die Vorgehensweisen in den Abteilungen und legen fest, mit welchen Werkzeugen und Integrationsmethoden gearbeitet wird.
Trotz straffer Führung bleibt die Verknüpfung alter und neuer Systeme eine Herausforderung. Aber die Chancen, dass das Experiment gelingt, steigen deutlich.
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