Von Eva Müller
Hamburg - Der folgende Bericht entstammt nicht der blühenden Fantasie einer mm-Redakteurin.
Hier schildert der Leiter der E-Business-Aktivitäten eines großen deutschen Automobilzulieferers seine Erfahrungen:
"Wir planen unsere Produktion Pi mal Daumen. Jeder kalkuliert halt so, wie er es schon immer gemacht hat. Es gibt kein zentrales Informationssystem über Absatz und Marktentwicklung. Wir wissen nicht einmal, welches Produkt wo und in welcher Stückzahl auf Lager liegt. Das eine Modell ist für zwei Jahre vorrätig, das andere hat sechs Wochen Lieferzeit."
Kein Wunder, dass der Mann anonym bleiben will. Zumal er schwört, dass die Abläufe - "zum Glück" - bei der Konkurrenz auch nicht viel besser organisiert sind.
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Mit dem Beharren auf überholten, teilweise chaotischen Prozessen begehen viele Geschäftsführer, Bereichs- oder Abteilungsleiter die zweite Todsünde des E-Business: Erstarrung.
Auf unstrukturierte Abläufe lässt sich beim besten Willen kein funktionierendes Unternehmensnetz setzen. Bleiben die alten Prozesse bestehen, nützt die beste Software, das schönste Schulungsprogramm und die straffste E-Organisation nichts - das Unternehmen wird sich höchstens marginal verändern.
Soll der Einsatz des Internets wirklich zu höherer Effizienz, zu mehr Tempo oder Kundenfreundlichkeit verhelfen, müssen zuerst die bestehenden Geschäftsabläufe und Datenströme gründlich untersucht werden.
Wo im Unternehmen und bei welchen Partnern, Zulieferern oder Kunden sind Informationen gespeichert? Über welche Kanäle fließen die Daten? Können Mengenangaben und Preise auf einer gemeinsamen Plattform vereint werden, auf die alle Teilnehmer des Netzwerks Zugriff haben? In einer für das Medium Internet geeigneten Weise?
Nun beginnt die Analyse. Es muss geklärt werden, wie die Web-Technik die Abläufe verändert. Ein durchgängiger Fluss von Informationen vereinfacht und beschleunigt viele Prozesse. So entfallen beim Bestellen von Büromaterial über das Web Formulare, Genehmigungsvorgänge oder Zwischenlager.
Sind die Prozesse neu durchdacht, beginnt der Kraftakt: Die Software wird installiert, eventuell müssen Computer und Leitungen eingebaut werden. Parallel dazu muss das Unternehmen alle Bestell-, Bezahl- oder Lieferabläufe neu gestalten.
Das wird anstrengend. Doch der Aufwand lohnt, wie unser anonymer Kronzeuge weiß: "Der größte Vorteil des E-Business ist, dass es zum Aufräumen im Unternehmen zwingt."
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