Von Eva Müller
Hamburg - Online nach Mallorca? Neckermann macht's möglich. Seit fast zwei Jahren bietet die Tochter des Reisekonzerns Thomas Cook im Internet Ferienreisen an. Mittlerweile hat sich fast jede Marke der Urlaubsfirma einen eigenen Web-Auftritt gebastelt.
Dummerweise überlegte sich niemand, wie die Seiten mit dem zentralen Reservierungssystem verbunden werden sollten. Mitarbeiter mussten die elektronischen Buchungen manuell in den Zentralcomputer eintippen.
Effizienzgewinn? Besserer Kundenservice? Pustekuchen.
Der Web-Fehler bei Thomas Cook zeigt exemplarisch, warum so viele Internet-Projekte scheitern. Etliche Unternehmen begehen die Todsünde Nummer eins im E-Business: Sie wursteln fröhlich ohne Ziel und Plan los.
Viel Geld und Nerven könnten die Verantwortlichen sparen, würden sie zunächst klären, welche Ergebnisse der Einsatz der Web-Technik verspricht; und welche grundlegenden Verbesserungen sie sich erhoffen.
Oftmals aber schwadronieren die Zuständigen nur nebulös von "Wettbewerbsvorteilen" - oder gestehen freimütig: "Die Konkurrenz macht es auch." Nach einer Studie der Technologiefirma BT Ignite erwarten 65 Prozent der deutschen Firmen von ihren E-Aktivitäten solch eindrucksvolle Effekte wie "ein trendiges Image".
Kein eindeutiges Ziel, keine nachvollziehbare Strategie - der Kardinalfehler in deutschen Unternehmen.
Wer nicht weiß, wohin er will, erkennt nicht, wenn er sich verfährt. So bedingt das Grundübel mangelnde Orientierung alle weiteren Probleme der E-Implementierung: Kompetenzgerangel, Technikchaos, Akzeptanzschwierigkeiten und Fehlplanungen.
Zum garantierten Misserfolg durch planloses Dilettieren gibt es nur eine Alternative: Der Chef muss eine klare Geschäftsstrategie mit bezifferbaren Vorgaben definieren.
Also keine Wischiwaschi-Visionen von Tempo, Flexibilität und was derzeit sonst noch Mode ist, sondern konkrete Ziele wie: Der Einsatz der Web-Technik soll den Lagerumschlag um 50 Prozent erhöhen.
Nur betriebswirtschaftliche Anforderungen dürfen die Ziele bestimmen, nicht verführerische Versprechen von Softwareverkäufern. Anhaltspunkte für realistische Verbesserungspotenziale geben Benchmarks der jeweiligen Branche.
Das Konzept vom vernetzten Unternehmen lässt sich selbstverständlich nicht auf einen Schlag realisieren. Umgesetzt wird der große Plan am besten in überschaubaren Schritten mit kalkulierbarem Risiko. Bei kleinen Etappen sind Fortschritte und Fehlschläge leichter zu kontrollieren. Laufen die Projekte gut, motiviert das positive Beispiel ungemein.
Planung tut Not. Diese Einsicht reifte auch bei Thomas Cook. Vorstandschef Stefan Pichler entwickelte mittlerweile eine E-Strategie. Unmissverständliches Ziel: Bis 2005 sollen 25 Prozent aller Buchungen online erfolgen - und zwar ohne mühselige Tipperei in der Verwaltung.
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