Hamburg - Die Internet-Krise hat ein neues Opfer gefordert: Die Zeitung "Net-Business" aus der Verlagsgruppe Milchstrasse wird es in der bisherigen Form nicht mehr geben. Die Redaktion, rund 30 Mitarbeiter, wird komplett entlassen. Offen ist derzeit noch, was aus dem renommierten Online-Auftritt des Blattes wird.
Manthey weiter: "Die Abozahlen steigen, allein auf der Internet-World letzte Woche haben wir über 1000 neue Abos geschrieben. Und auch das Anzeigengeschäft kommt langsam wieder. Ich möchte wetten, wir werden an 'Net-Business' noch viel Spaß haben. Ich kann mir heute als Verleger leisten, Geduld zu haben."
"Permanent schlechte Presse in den Fachmedien"
Am Freitagmorgen dann das Aus. Die schlechte Nachricht wurde der Belgschaft allerdings nicht vom Verleger selbst überbracht, sondern von dessen Geschäftsführer Martin Fischer. In einem Schreiben Fischers an die Mitarbeiter heißt es: "Wir haben lange versucht, 'Net-Business' zu halten. Im Anzeigenmarkt war es leider ein erfolgloses Ansinnen. Nicht nur das schlechte Umfeld im Internet-Markt, sondern auch die permanent schlechte Presse in den Fachmedien hat dazu geführt, dass wir nur noch wenige Kunden für 'Net-Business' gewinnen konnten."
Damit bestätigen sich Gerüchte, die bereits seit geraumer Zeit kursierten. "Net-Business", Anfang letzten Jahres mit großen Ambitionen gestartet, hatte bereits nach kurzer Zeit die ersten Probleme. Der Online-Auftritt verzögerte sich und wurde erst im September freigeschaltet, die Auflage und der Anzeigen-Verkauf blieben trotz gegenteiliger Beteuerungen hinter den Erwartungen zurück. Außerdem verließen immer wieder wichtige Mitarbeiter frustiert die Redaktion, andere - wie die sechsköpfige Mannschaft der Dokumentations-Redaktion - wurden aus Kostengründen entlassen.
Umstellung auf Wochen-Rhythmus gescheitert
Gegen Jahresende wurde die Zeitung, die zunächst 14-tägig erschienen war, auf wöchentliche Ausgaben umgestellt. Damit allerdings hatte sich die Redaktion offenbar übernommen. Die Änderung wurde nach kurzer Zeit rückgängig gemacht.
Auch die ambitionierten Online-Pläne im Zusammenhang mit der Wirtschaftsberichterstattung in der Milchstrasse entwickelten sich schlechter als geplant. Vorgesehen war ursprünglich eine Kooperation mit dem "Telebörse"-Korrespondenten Markus Koch, der ein eigenes Büro in New York betreibt.
Als Koch kurzfristig absprang, wurde die geplante "Tomorrow Business Networld" zwar trotzdem gestartet, aber bereits Ende letzten Jahres wurde klar, dass das Experiment gescheitert war. Die Redaktion der "Business Networld", die aus ursprünglich sechs Portalen bestand, wurde massiv verkleinert und auf ein Minimum zurückgefahren. Damit verbunden war ein Abgang zahlreicher Führungskräfte.
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