Samstag, 17. November 2018

Neue Geldgeber beteiligen sich an Samwer-Tochter Putzportal Helpling sammelt 43 Millionen Euro ein

Helpling-Werbung: Das Berliner Startup Helpling, Teil des Rocket-Internet-Imperiums der Samwer-Brüder, vermittelt online Reinigungshilfen und hat sich bei Investoren 43 Millionen Euro frisches Kapital gesichert

Das Wettrüsten der digitalen Putzkräfte-Vermittler geht in eine neue Runde: Das Berliner Startup Helpling, Teil des Rocket-Internet-Imperiums der Samwer-Brüder, hat sich bei Investoren 43 Millionen Euro frisches Kapital gesichert. Das erfuhr manager magazin online von mit der Situation Vertrauten. Damit ist Helpling für die Expansion nun mit mehr Geld ausgestattet als der US-Konkurrent und Pionier in dem Gewerbe Homejoy.

Als neue Geldgeber sind zudem die Wagnisfonds Lakestar und Kite Ventures bei Helpling eingestiegen. Lakestar gilt als einer der führenden Startup-Finanzierer in Europa und hat sich als früher Geldgeber von Skype und Spotify einen Namen gemacht. Kite Ventures päppelten den Essenslieferservice Delivery Hero mit auf. Ein Helpling-Sprecher bestätigte die Finanzierungsrunde, wollte sich zu Details aber nicht äußern.

Das Portal, auf dem online Reinigungshilfen gebucht werden können, ist erst vor einem Jahr gestartet und hat laut eigenen Angaben 50.000 Haushalten eine Putzkraft vermittelt. Das Geschäftsmodell, online günstige Haushaltshelfer zu vermitteln, wurde ursprünglich in San Francisco ersonnen. Dort ging schon 2012 der Rivale Homejoy an den Start und expandierte im vergangenen Jahr auch nach Deutschland.

Mit der neuen Finanzierungsrunde hat sich Helpling, Teil der börsennotierten Startup-Holding Rocket Internet, mit insgesamt 56,5 Millionen Euro inzwischen mehr Kapital gesichert als das US-Original mit rund 35,6 Millionen Euro.

Wichtiges Signal für die europäische Startup-Branche

Für die europäische Startup-Branche setzt dies ein wichtiges Signal: Gründer aus dem Silicon Valley konnten im Portal-Geschäft nicht zuletzt dank der üppigen Schecks der heimischen Wagnisfonds meist mühelos an der europäischen Konkurrenz vorbeiziehen, wenn es darum ging, möglichst schnell global zu expandieren. So setzte sich die Unterkünfte-Plattform Airbnb zielsicher als Marktführer in dem Geschäft ab, ebenso wie einst Facebook die Freunde-Plattform StudiVZ überrollte.

Im Geschäft mit Putzhilfen scheint sich nun aber ein gegenläufiger Trend abzuzeichnen: Während Helpling zügig expandiert und mittlerweile von Kanada über die Vereinigten Arabischen Emirate bis nach Australien in über 200 Städten verfügbar ist, musste sich Homejoy zuletzt aus Kanada und Frankreich zurückziehen.

Auch in Deutschland soll das Homejoy-Geschäft laut Brancheninsidern stocken und wichtige Manager zurück in die US-Zentrale beordert worden sein.

Konkurrenzfähige Preise zum Schwarzmarkt

Der Markt ist hart umkämpft: Neben Helpling und Homejoy werben auch kleinere Anbieter wie Book A Tiger oder Cleanagents um Kunden wie Reinigungskräfte. Das Entscheidende in dem Geschäft ist, die Balance zwischen Angebot und Nachfrage zu halten - mit Preisen, die konkurrenzfähig sind zum Schwarzmarkt. Bei Helpling & Co. sind die Fachkräfte nicht fest angestellt und müssen selbst für Rente und Sozialversicherung aufkommen, die Haftpflichtversicherung übernimmt der Vermittler. Die Portale behalten pro Auftrag eine Kommission ein.

Bei Helpling kostet eine Reinigungskraft pro Stunde 12,90 bis 14,90 Euro. Homejoy, an dem unter anderem der Suchmaschinen-Konzern Google beteiligt ist, hatte zuletzt ausgerechnet in der Heimatstadt San Francisco Probleme, das Wachstum zu halten, da es in der Stadt aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten schwierig geworden ist, Reinigungskräfte zu finden, die den Weg in die Stadt überhaupt noch zu ansprechenden Preisen auf sich nehmen.

Helpling-Mitgründer Benedikt Franke sagte, bei Helpling erlaubten die Wachstumsraten ein "gesundes Geschäftsmodell, das auf absehbare Zeit profitabel" arbeiten werde. Konkrete Zahlen wollte Franke allerdings nicht nennen. Helpling ist nicht in den USA tätig. Das Ziel von Helpling sei es, zum "Synonym für das Geschäft mit der digitalen Vermittlung von Reinigungskräften" zu werden.

Mit dem frischen Kapital solle die "Technologie der Plattform verbessert und der Kundenservice in den bereits bestehenden Märkten verbessert" werden. Auch die Helpling-Geldgeber Rocket Internet und Lucasz Gadowski schossen bei der Finanzierungsrunde neues Kapital hinzu. Helpling hatte erst im Dezember 13,5 Millionen Euro eingenommen. Der Unternehmenswert wird nun auf einen dreistelligen Millionenbetrag taxiert.

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