Donnerstag, 29. September 2016

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Weibliche Führungskräfte Eine Frau als Chef ist gut für die Börse

Der Aktienkurs leidet, wenn eine Managerin abtritt - stärker als bei einem Mann. Frauen sind eben gut fürs Geschäft - statistisch nachweisbar.

chrismon: Warum noch eine Studie darüber, dass Frauen gut wirtschaften?

Daniel Urban: Weil es gewagt ist, eine kausale Aussage wie "Aus A folgt B" zu treffen.

A ist: "Mehr Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten", B: "Führen zu Erfolg"?

Genau - und nicht andersrum! Es könnte ja sein, dass ohnehin erfolgreiche Unternehmen mehr Frauen in Führungsgremien berufen. Dann ist unklar, ob Frauen ursächlich für das bereits gute Ergebnis waren. Viele Studien vergleichen nur die Performance von Unternehmen mit hohem Frauenanteil mit denen von Firmen, die einen niedrigen Anteil haben - tappen also in die Kausalitätsfalle.

Daniel Urban
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    Daniel Urban, 28, ist Post­doktorand an der TUM School of Management, die zur TU in München gehört.
Wie haben Sie das Problem gelöst?

Thomas Schmid von der Hong Kong University und ich dachten, dass sich dafür Todesfälle anbieten.

Wie bitte?

Es klingt makaber, aber: Wenn ein Vorstand stirbt, ist das ein sogenannter natürlicher Schock, der - das ist wichtig - erst einmal nichts mit dem Unternehmen selbst zu tun hat. Dem plötzlichen Tod von Mandatsträgern können ja gar keine politischen Überlegungen vorausgegangen sein, die eine statistische Aussage beeinflussen könnten.

Was könnte das sein?

Zum Beispiel, wenn ein Unternehmen eine neue Strategie beschließt, die eine Frau verantworten soll - und diese Frau wird extra dafür in den Vorstand berufen. War es dann die neue Strategie oder die Frau im Vorstand? Darüber lässt sich kein Zusammenhang ermitteln, der statistisch haltbar ist.

Aber Wirtschaftsgrößen sterben selten!

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Wir haben uns den Zeitraum von 1998 bis 2010 angeschaut, für 35.000 börsenorientierte Unternehmen weltweit - und sind auf 1500 Todesfälle gekommen. Eine Menge!

Und das lieferte welche Erkenntnis?

Die Kapitalmärkte reagierten negativ, wenn eine Frau starb. Die Anleger dachten, der Todesfall führe zu einem Vermögensverlust. Starb ein Mann, hatte das nicht so starke Folgen. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Frauen, die es schwer gehabt hatten, auf ihren Posten zu kommen.

Was ist Ihre Interpretation?

Dass diese Frauen viel besser als Männer sein mussten, um überhaupt die gläserne Decke zu durchstoßen, durch die weibliche Kräfte diskriminiert werden. Umso wertvoller sind sie im Amt und umso schlimmer ist es für Firmen, wenn sie plötzlich sterben.

Was folgt daraus für die Wirtschaft?

Es ist vernünftig, Frauen in Top-Ämter zu berufen. Auch und vor allem ohne Quote!

Brauchen wir die in zehn Jahren noch?

Das Problem wird sich zum Teil von selbst lösen. Viele Männer scheiden aus, sehr gute Frauen rücken nach. Dafür ist auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig.

Dieser Text erschien im September 2015 in chrismon. Mehr Interviews aus der chrismon-Reihe "In zehn Jahren".

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