Mittwoch, 7. Dezember 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Kursturbulenzen als Warnsignal Chinas Verschuldungsboom - gefährliche Parallelen

Auch in China gelten die Gesetzmäßigkeiten der Wirtschaft

Chinas Börsen spielen verrückt. Einem einzigartigen Boom folgte ein dramatischer Absturz, gefolgt von immer panischer wirkenden Eingriffen der Regierung. Platzt die Blase, hat dies erhebliche Konsequenzen für Weltwirtschaft und Eurozone.

Bis vor kurzem galten zwei Dinge als sicher: die Notenbanken haben alles unter Kontrolle und die chinesische Regierung hat ihre Wirtschaft im Griff. Weil dies so ist, kann eigentlich nichts schiefgehen, so der weit verbreitete Glaube.

Spätestens seit den jüngsten Turbulenzen im Markt für Staatsanleihen in Europa dürfte klar sein, dass die Notenbanken nicht so allmächtig sind, wie die Finanzmärkte denken. Zuvor haben schon die mäßigen Ergebnisse der geldpolitischen Aktivitäten der Fed Anlass gegeben, an der Wirksamkeit der Geldpolitik zu zweifeln.Zu schwach ist die Erholung der US-Wirtschaft seit 2009 ausgefallen.

Nun wackelt die andere Gewissheit. Die chinesische Regierung mag zwar mehr Einfluss auf die Wirtschaft haben, über mehr Munition in Form von Währungsreserven verfügen und dank Politmonopol schneller handeln können, doch die Gesetzmäßigkeiten der Wirtschaft gelten auch hier. China und damit die Weltwirtschaft stehen vor erheblichen Herausforderungen.

Verschuldungsboom nach westlichem Vorbild

Bekanntlich hat China in den letzten 7 Jahren so viele Schulden gemacht wie kein anderes Land. Von 2000 bis 2007 verdreifachten sich die Schulden, von 2007 bis 2017 haben sie sich fast vervierfacht. Alleine in diesem Zeitraum haben private und staatliche Schuldner 26 Billionen US-Dollar neue Schulden angehäuft.

Daniel Stelter
Das gleiche zeigt sich am Wachstum des chinesischen Finanzsystems. Insgesamt stehen 27 Billionen US-Dollar aus, was ungefähr einem Drittel des Welt-BIP entspricht. Alleine im Zeitraum seit 2007 ist es um 20 Prozent des Welt-BIP gewachsen.

So ein Boom ist nicht nur nicht nachhaltig, sondern inhärent destabilisierend. Eine erhebliche Fehlallokation von Kapital ist die zwangsläufige Folge. Derart starkes Wachstum der Ausleihungen hat bisher noch immer zu einer Krise geführt. So wuchs das Kreditvolumen in Japan in den fünf Jahren vor dem Platzen der Blase 1989 um 30 Prozent, in Südkorea bis zur Asienkrise um 22 Prozent und in den USA bis 2007 um 39 Prozent.

Kreditausfälle auf Rekordtief - löst die Regierung das Problem im Stillen?

Bei den Kreditausfällen sieht man dies bisher noch nicht. Im Gegenteil. Obwohl sich die Ausleihungen vervielfacht haben, liegen die Non-Performing Loans auf Tiefstwerten. Der Economist spekulierte deshalb schon vor einiger Zeit, dass die Regierung wohl versucht, das Problem im Stillen zu lösen.

Dabei erleidet China das gleiche Schicksal wie wir im Westen. Die wachstumsstärkende Wirkung von neuen Schulden nimmt immer mehr ab. Jeder neue Dollar an Kredit erbringt nur noch rund 30 Cent Wachstum.

Damit liegt China zwar noch deutlich über den Werten bei uns, wo die Wirkung fast bei Null angekommen ist, aber es gibt kaum Hoffnung, aus den Schulden herauszuwachsen.

Deshalb verfolgt China jetzt eine ähnliche Strategie wie wir seit 2008 und Japan seit 1989: billiges Geld und noch mehr Schulden. Zunächst wurde der Druck auf das Schattenbankensystem gelockert um die Kreditvergabe anzukurbeln. Dies hat zu einer Stabilisierung der Immobilienpreise geführt. Eine Trendwende zu dauerhaft weiter steigenden Preisen ist jedoch unwahrscheinlich. Zu groß ist mittlerweile das Überangebot und zu hoch sind die Schulden. Es wird deshalb darauf hinauslaufen, dass der Staat die Nachfrage wieder direkt beleben muss. Wir auch bei uns im Westen, werden die Schulden also weiterhin schneller wachsen als die Wirtschaft, diesmal jedoch im Staatssektor und nicht bei den Privaten.

Seite 1 von 4
Nachrichtenticker

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH