Sonntag, 20. Mai 2018

Nach Germanwings-Absturz Luftfahrt stellt alte Sicherheitsregeln infrage

Lufthansa-Maschinen in Frankfurt: "Wir werden keine Schnellschüsse machen"

Was sind die Lehren aus dem Germanwings-Absturz? Vertreter der deutschen Luftfahrtbranche wollen als Erstes den Türmechanismus am Cockpit angehen - und psychologische Tests.

Berlin - Deutsche Luftfahrtunternehmen wollen in einer Arbeitsgruppe über Konsequenzen aus dem Germanwings-Absturz in Südfrankreich diskutieren. Das Gremium werde sich zunächst mit dem Mechanismus der Cockpittür, medizinischen Tauglichkeitszeugnis für Piloten sowie mit psychologischen Testverfahren befassen, teilten Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Klaus-Peter Siegloch, am Donnerstag in Berlin mit.

In der Runde sollen unter anderem die Flugbetriebschefs der Airlines sitzen, ebenso Flugmediziner und Vertreter der Berufsverbände. Auch das Verkehrsministerium und das Luftfahrtbundesamt sollen in die Beratungen eingebunden werden.

Der Vorstoß von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) für eine Ausweispflicht bei Flügen im sogenannten Schengen-Raum werde ebenso diskutiert, sagte Dobrindt. "Ich habe Sympathie für die Initiative des Innenministers." BDF-Präsident Siegloch zeigte sich offen für Änderungen am Sicherheitskonzept. Diese müssten aber international abgestimmt werden. "Wir werden keine Schnellschüsse machen", sagte er.

Der Absturz des A320 auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf wurde nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft vom Co-Piloten mit Absicht herbeigeführt. Er hatte demnach zuvor den Piloten aus dem Cockpit ausgesperrt. Bei der Katastrophe starben 150 Menschen.

Die Arbeitsgruppe solle die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft begleiten und überprüfen, welche weiteren Konsequenzen daraus gezogen werden müssten, sagte Verbandspräsident Siegloch. Die Beratungen finden unter dem Dach des BDL statt und werden vom Bundesverkehrsministerium begleitet. Zusätzlich soll ein regelmäßiger Austausch mit dem Luftfahrtbundesamt stattfinden, wie Dobrindt sagte.

Seit dem Flugzeugunglück am Dienstag vergangener Woche hätten Expertenstäbe der Branche fast täglich getagt, betonte Siegloch. So hätten die Airlines bereits am Freitag beschlossen, die Zwei-Personen-Regel für das Cockpit einzuführen.

spon/dab/mmo

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