Montag, 11. Dezember 2017

Paefgen löst Behr ab ZF Friedrichshafen beruft neuen AR-Chef, Sommers Stuhl wackelt

Stefan Sommer: Der Chef des Autozulieferers ZF Friedrichshafen hat sich mit dem Aufsichtsrat und dem Haupteigentümer verkracht

Nach dem Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrates hofft der Autozulieferer ZF Friedrichshafen wieder auf ruhigere Zeiten und ein Ende der Differenzen mit Anteilseignern. Das Kontrollgremium berief am Montag auf einer außerordentlichen Sitzung den Branchenexperten Franz-Josef Paefgen zum neuen Vorsitzenden. Er folgt Giorgio Behr, der sein Amt zum Ende des Jahres niederlegen will. Paefgen gehört dem Aufsichtsrat nach ZF-Angaben bereits seit 2008 an. Zuvor war er in Führungspositionen der Automobilindustrie tätig, darunter von 1995 bis 2002 im Audi -Vorstand.

"Es ist wichtig, dass jetzt wieder Ruhe einkehrt und wir uns auf das Geschäft und den anstehenden Transformationsprozess in der Automobilindustrie konzentrieren", sagte Paefgen laut einer Mitteilung. ZF habe in den vergangenen Jahren die Herausforderungen der Automobilindustrie mit einer Langfrist-Strategie erfolgreich angenommen. Dieser Kurs solle fortgesetzt werden.

Ein Machtkampf sorgt bei dem Autozulieferer aus Friedrichshafen am Bodensee seit langem für Unruhe. Hintergrund sind Differenzen mit der Stadt Friedrichshafen, deren Oberbürgermeister Andreas Brand (parteilos) die Zeppelin-Stiftung als ZF-Haupteigentümerin im Aufsichtsrat vertritt.

Vorstandschef Stefan Sommer Sommer fühlt sich von der Stiftung ausgebremst und dringt seit Monaten auf mehr Einfluss. Sommer hatte bei ZF in der Vergangenheit eine deutliche Expansionsstrategie vorangetrieben. 2015 übernahm der Autozulieferer beispielsweise den US-Konkurrenten TRW. Der Konzern hatte dadurch seine bisher von Getrieben und Fahrwerkselementen dominierte Produktpalette unter anderem um Elektronik, Sicherheitstechnik und Sensorik erweitert.

Offen brach der Konflikt zuletzt im Sommer aus, als Brand den Plan Sommers entgegentrat, den belgischen Wettbewerber Wabco zu übernehmen. Umgekehrt passt es dem Vorstand nicht, dass die Stadt künftig mehr Dividende ausschütten lässt. Nach dem Willen der Stiftung soll das Unternehmen künftig 18 Prozent seines Gewinns nach Steuern an sie abführen.

Zum Vergleich: Andere Stiftungsunternehmen wie Mahle oder Bosch haben eine Ausschüttungsquote von unter 10 Prozent. Die Stadt Friedrichshafen wiederum verweist darauf, dass es auch Stiftungen gebe, die von ihren Unternehmen mehr als 30 Prozent erwarten. "Auch im Branchenvergleich sind Dividenden in dieser Größenordnung angemessen", sagte Oberbürgermeister Brand. "Der weitaus größte Teil des Gewinns, 82 Prozent, bleibt im Unternehmen für Rücklagen und Eigenkapitalausstattung, für Investitionen, Finanzierungsaufgaben und Akquisitionen sowie Schuldenabbau.

Zentraler Streitpunkt aber ist, berichtet das manager magazin in seiner Dezember-Ausgabe, dass Sommer das Stiftungsunternehmen gern an die Börse bringen möchte. Die städtischen Eigner sind strikt dagegen. Gestützt wurde Sommer bislang von Aufsichtsratschef Behr, doch der der gibt ja nun sein Amt auf. Von daher wird erwartet, dass der Aufsichtsrat noch in dieser Woche über eine mögliche Ablösung von Sommer entscheiden wird.

Sommers Vertrag als Vorstandschef war im vergangenen Jahr um weitere fünf Jahre bis zum Frühjahr 2022 verlängert worden. Der Konzern ZF beschäftigt weltweit rund 137.000 Mitarbeiter, die Umsätze kletterten im ersten Halbjahr auf 18,3 Milliarden Euro und lagen damit 2,7 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen rechnet nach eigenen Angaben in diesem Jahr mit einem Umsatz von mehr als 36 Milliarden Euro.

Lesen Sie dazu den Hintergrund: ZF - es kracht im Getriebe

rei mit dpa-afx

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