Sonntag, 31. Juli 2016

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Arbeitssicherheit Wenn Kollege Roboter mal der Arm ausrutscht

Kein Platz für Menschen: Klassische Industrieroboter in Aktion bei Hyundai in Indien

Eine neue Generation von Industrierobotern schickt sich an, die Fabriken zu erobern: klein, wendig, gefühlvoll - und damit auch fähig, direkt mit Menschen zusammenzuarbeiten. Ganz ohne Risiko geht es aber nicht. Die Branche legt jetzt die Standards fest: Wie viele Unfälle sind erlaubt?

Hamburg - "A bruise a day", eine Beule am Tag, sei sicher zu viel, erklärt Björn Matthias von ABB. Aber einen Stoß oberhalb der Schmerzgrenze werde man aushalten können, wenn es zu einem Unfall käme.

Die Frage treibt gerade die Roboterbranche um. Auf einer Konferenz im kalifornischen San Jose, von der das Wissenschaftsmagazin"MIT Technology Review" berichtet, diskutierten die Hersteller, wie viele Schläge künftige Arbeiter von ihren Roboterkollegen einstecken müssen werden.

Denn die Branche ist im Umbruch. Bisher dominieren schwere, leistungsfähige und spezialisierte Industrieroboter die Fabrikhallen vor allem der Autoindustrie. Weil eine einzige falsche Bewegung tödlich sein könnte, dürfen diese Maschinen nur in klar abgegrenzten Bereichen arbeiten, zu denen Menschen normalerweise keinen Zugang haben. Eines der großen Versprechen der "Industrie 4.0" lautet aber, diese Grenzen mithilfe kleinerer, flexiblerer Roboter zu überwinden. Diese wären dann Hilfsmittel für menschliche Arbeiter, wo es diesen an Kraft oder Präzision mangelt.

Startups wie die aus der US-Eliteuni hervorgegangene Firma Rethink Robotics (mit dem Prototypen "Baxter", der auch ein menschliches Gesicht hat) oder Universal Robots aus Dänemark haben sich damit einen Namen gemacht. Jetzt schließen sich die großen Hersteller an. ABB Börsen-Chart zeigen beispielsweise will seinen ersten "kollaborativen Roboter" Yumi im kommenden Frühjahr auf den Markt bringen.

Deutsche Unfallversicherung inspiriert internationalen Standard

Dann soll es auch eine internationale Norm geben, an der ABB-Forscher Matthias im Normenverband ISO mitwirkt. Die aufregende neue Welt der Startups trifft auf das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. An deren Empfehlungen nämlich beispielsweise zur Frage, mit welcher Kraft ein Roboter einen Menschen treffen darf, soll sich die Norm orientieren.

"Wir hatten ein glückliches Leben, bis wir große Firmen als Kunden gewannen", berichtete Universal Robots Technikchef Esben Østergaard auf der Konferenz. "Jetzt haben wir all die Probleme mit Normen." Denn die bisherigen Vorschriften zum Arbeitsschutz sind nicht gesetzlich verpflichtend, Konzerne wie BMW Börsen-Chart zeigen aber orientieren sich daran.

Die Hersteller vermarkten ihre neuen kollaborativen Roboter als grundsätzlich besonders sicher. Der Einsatz zahlreicher Sensoren ermöglicht, dass die Geräte von selbst erkennen, ob ein Mensch in der Nähe ist, und ihre Bewegungen anpassen. Doch je mehr Sensoren nötig sind, desto teurer werden die Geräte - mit absoluter Sicherheit wäre die neue industrielle Revolution nicht zu haben.

Die "MIT Technology Review" zitiert ABB-Produktmanager Phil Crowther mit einem Vergleich zu Flugzeugen, "die auch manchmal abstürzen". Es gelte, das Risiko auf ein akzeptables Maß zu begrenzen.

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