Dienstag, 17. Oktober 2017

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Übernahme des Küchenherstellers Krawall-Zulieferer Prevent will Alno kapern

Alno: Der Küchenhersteller ist derzeit Kummer gewohnt

In Pfullendorf ist man Leid gewohnt. Das Städtchen in der Nähe des Bodensees hat viele wirtschaftliche Aufs und Abs mitgemacht. Zuletzt vor allem Abs. Zumindest bei einem der größten Arbeitgeber des Ortes, dem Küchenhersteller Alno. Von den früher 2500 Arbeitsplätzen der einstigen deutschen Vorzeigemarke sind nur noch 750 übrig. Und es steht zu befürchten, dass es noch weniger werden könnten - was mit dem Engagement eines neuen Investors zu tun haben könnte.

Die in Deutschland in erster Linie als Autozulieferer bekannte Prevent-Gruppe hat ein Auge auf den Küchenhersteller geworfen - und steht kurz davor, Alno zu einem Schnäppchenpreis zu übernehmen.

In Automobilkreisen ist Prevent und die mit der Gruppe verbundene Unternehmerfamilie Hastor mittlerweile gut bekannt - allerdings nicht unbedingt im positiven Sinne. Dank eines geschickt verschachtelten und strategisch bestens aufstellten Firmenimperiums hat es die Familie geschafft, sich in der Branche unverzichtbar zu machen.

So unverzichtbar, dass im Sommer sogar zweitweisedie Produktion bei VW gestoppt werden musste, weil wegen eines Lieferstopps von Prevent die nötigen Teile zur Produktion fehlten. Auch mit anderen Autobauern -unter anderem auch Daimler - liegen oder lagen die Bosnier im Clinch. Und auch in Brasilien schwelt der Streit mit Prevent weiter.

Nun haben die Prevent-Lenker, die über ein Firmengeflecht in den vergangenen Jahren reihenweise internationale Autozulieferer gekauft haben und auch in Branchen wie Immobilien, dem Möbelgeschäft, im Yachtbau und Bankengeschäft aktiv sind, ein Auge auf Alno geworfen. Und stehen kurz davor, das Ruder bei dem baden-württembergischen Unternehmen zu übernehmen. Über eine Tochterfirma namens Tahoe Investors hat sich Prevent schon jetzt mehr als 30 Prozent der Stimmrechte gesichert.

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