Samstag, 18. August 2018

ThyssenKrupp-Investoren erhöhen Druck vor HV Hiesingers Kampf um die richtige Strategie

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger

Thyssenkrupp-Großaktionär Cevian erhöht kurz vor der HV den Druck auf das Management. Auch andere Investoren fordern eine Aufspaltung des Konzerns. Konzernchef Heinrich Hiesinger setzt dagegen auf kontinuierlichen Umbau. Dem Manager steht ein turbulentes Aktionärstreffen bevor mit handfestem Krach um die richtige Strategie.

Schon länger trägt Großaktionär und Finanzinvestor Cevian seinen Kampf mit dem Management von Thyssenkrupp auf offener Bühne aus. Einen Tag vor der Hauptversammlung verschärft Cevian-Chef Lars Förberg seine Kritik. "Die Struktur von Thyssenkrupp mit fünf Sparten, die nicht zueinander passen, und mit einem Wasserkopf an Verwaltung ist einzig ein Ergebnis der Geschichte des Konzerns. Es gibt da keine Synergien", sagte Förberg der "Börsen-Zeitung" (kostenpflichtig).

Der Mitgründer der Investmentgesellschaft dringt auf eine schnelle Zerschlagung des Konglomerats: "Ob das am besten durch Joint Ventures, Spin-offs oder den Börsengang einer Tochter zu erreichen ist, müssen Aufsichtsrat und Vorstand gemeinsam entscheiden." Cevian ist mit 18 Prozent zweitgrößter Aktionär des deutschen Konzerns.

"Gemischtwarenladen, mit dem viele Investoren wenig anfangen können"

Auf Investoren-Seite fordert auch Union Investment einen radikalen und vor allem schnelleren Umbau. "Thyssenkrupp ist als Konglomerat ein Gemischtwarenladen, mit dem viele Investoren wenig anfangen können", sagte Fondsmanager Ingo Speich der NRZ im Interview. Der geplanten Ausgliederung des Stahlgeschäfts müssten zwingend weitere folgen. Aus seiner Sicht sei neben dem Bau von U-Booten auch der der Werkstoffhandel und der Anlagenbau zu hinterfragen.

In einem Beitrag für manager-magazin.de bezeichnete Speich Thyssenkrupp jüngst als Dauerbaustelle ohne Vision. Hiesinger habe es zwar geschafft, den "schlingernden Konzern" zu stabilisieren. Der "Koloss" aus Essen stehe aber "auf tönernen Füßen und muss sich aus einer Position der Schwäche neu aufstellen", forderte Speich.

Die Beschäftigten von Thyssenkrupp weisen Zerschlagungsforderungen strikt zurück. Derzeit stimmen 20.000 der 27.000 Stahlwerker über den erzielten Kompromiss für eine Zusammenlegung des Stahlgeschäfts mit Tata Steel ab. Mit der IG Metall hatten sie Hiesinger weitreichende Zugeständnisse abringen können. Bekommen die Beschäftigten durch die HV den Eindruck, der Konzern soll doch zerschlagen werden, könnten sie ihre Zustimmung noch verweigern. Diese Baustelle will Hiesinger ganz sicher nicht erneut aufmachen.

Kritik auch am Krupp-Stiftung

Der Konzernchef darf im Kampf mit Cevian auch auf Unterstützung zählen. So kritisiert der Corporate-Governance-Experte Christian Strenger das aggressive Auftreten von Cevian-Chef Förberg: "Thyssenkrupp ist mit den fünf Konzernsparten nicht so leicht verschiebbar wie die Figuren auf einem Schachbrett. Das sollte Cevian-Chef Förberg erkennen und das Motto ,Eile mit Weile' beherzigen", forderte Strenger in der "Börsen-Zeitung". Das gelte umso mehr nach den schlechten Erfahrungen mit Cevian bei ABB und Volvo. Aufsichtsratschef Ulrich Lehner hatte Förberg zuletzt sogar vorgeworfen, dem Unternehmen mit seinem Verhalten bewusst schaden zu wollen.

Krach um eben diesen Aufsichtsrat dürfte es auch geben. So schießt Strenger ebenso gegen die mit 21 Prozent zweitgrößte Thyssenkrupp-Aktionärin, die Krupp-Stiftung. Deren Kuratoriumsvorsitzende Ursula Gather, die ohne Wahl durch die Aktionäre in den Aufsichtsrat einrückt, attestiert Strenger schlicht mangelnde Qualifikation.

Umbauen ja, aufspalten nein

So oder so: Konzernchef Hiesinger wird sich am Freitag auf eine turbulente Hauptversammlung mit handfesten Auseinandersetzungen um die richtige Strategie einstellen müssen. Denn Verschlanken und Teilen liegen wieder im Trend, Siemens ist dafür das beste Beispiel. Siemens-Chef Joe Kaeser will die Medizintechniksparte an die Börse bringen, so wie zuvor bereits die Windenergietochter Siemens-Gamesa. General-Electric könnte dem Beispiel von Siemens folgen, und auch Continental Börsen-Chart zeigen erwägt seine Aufspaltung mit möglichen Börsengängen.

Hiesinger lehnt eine weitgehende Zerstückelung des Ruhrkonzerns wie sie Cevian und andere fordern ab. Umbauen ja, aufspalten nein. Mit der Verschmelzung der eigenen Stahlsparte mit Tata Steel Europe sieht er den Anfang gemacht. Und es soll weitergehen - das Tempo will sich Hiesinger aber nicht diktieren lassen.

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