Samstag, 16. Dezember 2017

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Thyssenkrupp-Chef hält an Spartenfusion fest Das ungeliebte Stahlgeschäft treibt Thyssenkrupp-Gewinn

"Davon lassen wir uns nicht blenden": Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger nimmt die guten Zahlen der Stahlsparte zur Kenntnis, hält aber an der Fusion mit Tata Steel fest

Ausgerechnet das ungeliebte europäische Stahlgeschäft hat Thyssenkrupp im abgelaufenen Geschäftsjahr zu einem höheren operativen Gewinn verholfen. Davon will sich Heinrich Hiesinger aber "nicht blenden" lassen, wie er sagt. Der Vorstandschef bleibt hart, setzt trotz aller Proteste auf einen Zusammenschluss des Stahlgeschäfts mit Konkurrenten Tata Steel.

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger will trotz besserer Ergebnisse die Stahlsparte 2018 in ein Joint Venture mit dem Konkurrenten Tata Steel abschieben. Natürlich freue er sich über das derzeit positive Marktumfeld für die Schwerindustrie, sagte der Manager am Donnerstag bei der Bilanz-Pressekonferenz. "Aber davon lassen wir uns nicht blenden." Die strukturellen Probleme der Branche in Europa seien ungelöst. Im Flachstahlbereich gebe es immer noch erhebliche Überkapazitäten. Gegen die Fusionspläne gingen zeitgleich die Stahlkocher des Konzerns auf die Straße.

Ausgerechnet das ungeliebte europäische Stahlgeschäft hatte Thyssenkrupp im abgelaufenen Geschäftjahr maßgeblich zu einem höheren operativen Gewinn verholfen. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) des Konzerns kletterte 2016/17 (Ende September) um ein knappes Drittel auf 1,9 Milliarden Euro. Die Stahlsparte verbesserte dank gestiegener Preise ihren operativen Gewinn um rund Dreiviertel auf 574 Millionen Euro.

Im Video: Thyssenkrupp-Mitarbeiter demonstrieren gegen Fusion

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Bild: REUTERS

In dem Joint Venture mit Tata würden keine Maßnahmen ergriffen, die es nicht ohnehin geben würde, sagte Hiesinger. Im Gegenteil, die Belastungen würden wohl sogar geringer ausfallen. "Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir im Dialog mit den Arbeitnehmervertretern eine gute Lösung finden werden."

Im fortgeführten Geschäft, sprich ohne die mittlerweile verkauften Stahlgeschäfte in Amerika, verbesserte sich das bereinigte Ebit um 15 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Dabei profitierte der Konzern auch von höheren Einsparungen als geplant.

Unter dem Strich bleibt ein Verlust

Dennoch stand im Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahr netto ein Verlust von 649 Millionen Euro. Hintergrund ist die Abschreibung von 900 Millionen Euro auf das mittlerweile verkaufte brasilianische Stahlwerk, die Thyssenkrupp im ersten Halbjahr vorgenommen hatte. Im fortgeführten Geschäft sank das Nettoergebnis um fast ein Drittel auf 212 Millionen Euro. Die Aktionäre sollen eine unveränderte Dividende von 0,15 Euro je Aktie erhalten.

Wegen der Fusionspläne ist beim größten deutschen Stahlkonzern seit anderthalb Jahren Druck im Kessel. Die Gespräche mit dem Management hätten überhaupt keine Klarheit gebracht, hatte der Vize-Aufsichtsratschef von Thyssenkrupp Steel Europe, Detlef Wetzel, kritisiert. "Mein Eindruck ist, dass das so nichts wird. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könnten wir einem Joint Venture nicht zustimmen." Der Vorstand müsse sich stark bewegen, um die Forderungen der IG Metall zu erfüllen.

IG Metall will der Zusammenlegung gegenwärtig nicht zustimmen

Die Gewerkschaft fordert unter anderem langfristige Garantien für die rund 27.000 Beschäftigten und die Standorte. Der Betriebsrat befürchtet den Abbau zahlreicher Arbeitsplätze. Am Donnerstag wollten im rheinland-pfälzischen Andernach Tausende Stahlkocher gegen die Pläne demonstrieren - Thyssenkrupp betreibt dort ein Weißblechwerk. Auf der Kundgebung sollte auch SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles sprechen.

Im neuen Geschäftsjahr will Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen seine gute operative Entwicklung fortsetzen und seine Gewinne weiter erhöhen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) soll 2017/18 auf 1,8 bis 2,0 Milliarden Euro im Vergleich zu den 1,7 Milliarden Euro aus dem fortgeführten Geschäft im Vorjahr zulegen. Analysten rechnen im Schnitt mit 2 Milliarden. Der Jahresüberschuss soll deutlich positiv sein und über dem Vorjahreswert liegen.

rei/dpa-afx/Reuters

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