Dienstag, 24. Oktober 2017

ThyssenKrupps teurer Schlussstrich in Brasilien Das dümmste Investment der deutschen Industriegeschichte

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger: Schlussrechnung über acht Milliarden Euro

Die Aktionäre von ThyssenKrupp feiern mit ihrem Chef. Heinrich Hiesinger kann einen "weiteren Meilenstein bei der strategischen Weiterentwicklung" verkünden. Mit dem Verkauf des brasilianischen Stahlwerks "beendet ThyssenKrupp das verlustreiche Amerika-Kapitel", wie der Konzern selbst mitteilt. "Dieses Konzept ist nicht aufgegangen", wird der 2005 von Hiesingers Vorgänger Ekkehard Schulz gefasste Plan abschließend kommentiert.

Das Urteil ist so schonungslos wie zweifelsfrei richtig. Zwölf Milliarden Euro Baukosten und Anlaufverluste hat der Konzern in Amerika verbucht - locker die teuerste Fehlinvestition der deutschen Industriegeschichte. Dass nach Verkaufserlösen und Abschreibungen unterm Strich nur ein Minus von acht Milliarden bleiben soll, klingt fast schon wieder nach einem Erfolg.

Vor allem aber ist es ein Schlussstrich. Nichts wie raus aus diesem Abenteuer, heißt die annähernd panische Devise bei ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen. Runter mit den Schulden, damit die margenstärkeren Geschäfte wie Anlagenbau oder Aufzüge nicht weiter unter der Stahlmisere leiden.

Der nächste Schritt ist klar: Nach Steel Americas soll sich auch Steel Europe aus der Bilanz verabschieden, die Fusionsverhandlungen mit Tata sind kein Geheimnis. Damit würde sich der Ruhr-Konzern von seinen Wurzeln trennen und den Kern seiner Belegschaft vergraulen, aber betriebswirtschaftlich ist die Logik kaum von der Hand zu weisen.

Die Lage der Stahlbranche ist trostlos. Das Metall bleibt zwar unser wichtigster Werkstoff für Häuser, Autos und allerlei Geräte, es gibt aber schlicht zu viel davon. Weltweit sind die Kapazitäten der Industrie nur zu zwei Dritteln ausgelastet, eine echte Marktbereinigung und damit ein Ende der Krise sind nicht in Sicht. In dieser Lage in dem kapitalintensiven Geschäft noch auskömmlich Geld zu verdienen, ist eine hohe Kunst - und verlangt Nerven aus Stahl. Die hat ThyssenKrupp nicht.

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