Dienstag, 24. Mai 2016

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Hauptversammlung des Stahlkonzerns ThyssenKrupp stellt Prognose infrage

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger: "Die Lage in der europäischen Stahlindustrie ist besorgniserregend"

Der Einbruch der Stahlpreise und die Sorgen um die Weltkonjunktur bremsen den Industriekonzern ThyssenKrupp immer stärker. Vorstandschef Heinrich Hiesinger setzte am Freitag bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Bochum ein dickes Fragezeichen hinter die ohnehin schon vorsichtige Prognose für das laufende Geschäftsjahr.

Das erste Quartal von Oktober bis Ende Dezember sei von einem "erheblich" verschlechterten Umfeld im Stahlgeschäft geprägt gewesen. Um die eigenen Ziele zu erreichen, müssten sich die Märkte in der zweiten Geschäftsjahreshälfte deutlich verbessern. Die Industriegeschäfte seien im ersten Quartal "solide" gelaufen. Die genauen Zahlen will der Konzern in zwei Wochen vorlegen. Die ThyssenKrupp-Aktie Börsen-Chart zeigen verlor am Morgen ein Prozent, während der Dax gut ein Prozent im Plus notierte.

ThyssenKrupp rechnet in diesem Jahr auf vergleichbarer Basis - also etwa um Wechselkurseffekte bereinigt - mit einem stagnierenden Umsatz. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) soll bei 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro landen. Einen wichtigen Beitrag von 850 Millionen Euro zum Gewinn sollen weitere Einsparungen liefern. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern operativ 1,7 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 42, 8 Milliarden Euro verdient. Unter dem Strich wuchs der Überschuss um fast 50 Prozent auf 309 Millionen Euro.

Davon will das Unternehmen fast 85 Millionen an die Aktionäre ausschütten. Die Dividende pro Aktie steigt von 11 auf 15 Cent. Die Ausschüttung sei mittelfristig nicht zufriedenstellend, räumte Hiesinger ein. Der Vorschlag berücksichtige aber die "bilanziellen Erfordernisse". ThyssenKrupp ist weiter mit 3,4 Milliarden Euro verschuldet und verfügt über eine für einen Industriekonzern dünne Eigenkapitalquote von 9,3 Prozent.

Hiesinger hatte ThyssenKrupp in den vergangenen Jahren unter anderem mit harten Sparanstrengungen aus einer tiefen Krise geholt. Sie war durch den misslungenen Bau von neuen Stahlwerken in Brasilien und den USA entstanden. Das hat den Konzern Milliarden gekostet.

"Wir haben ThyssenKrupp stabilisiert", sagte Hiesinger laut Redemanuskript. Die volle Leistungskraft habe der Konzern aber noch nicht erreicht. "Von unserem Mindestanspruch sind wir noch ein gutes Stück entfernt." Erneut bekannte er sich zu seiner Strategie, die einzelnen Teile des Unternehmens enger zusammenzuschließen. Das bringe "messbare Erfolge" etwa bei Effizienzsteigerungen, Innovationen und Mitarbeiterförderung.

Viele Analysten und Aktionäre sehen darin allerdings einen Hemmschuh. Die Kritik, dass etwa das Stahlgeschäft nicht mehr zu den anderen Bereichen wie den Aufzugbau oder das Automobilzuliefergeschäft passe, nahm zuletzt vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Bedingungen auf dem Stahlmarkt wieder zu. Dort bringen massenhafte Importe aus China die Preise unter Druck. Dem kann sich auch ThyssenKrupp nicht entziehen, obwohl der Konzern unter den europäischen Stahlherstellern noch einer der profitabelsten ist.

"Die Lage in der europäischen Stahlindustrie ist in der Tat besorgniserregend", sagte Hiesinger. Es gebe große Risiken. Er warnte vor der geplanten Verschärfung des Emissionsrechtehandels in der EU, dann wäre die Stahlbranche in Europa dauerhaft nicht mehr überlebensfähig. Allein ThyssenKrupp hätte in der Zeit von 2021 bis 2030 eine Mehrbelastung von 1,9 bis 3 Milliarden Euro. "Das ist eine Dimension, die wir schlichtweg nicht stemmen können."


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ts/dpa-afx

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