Montag, 11. Dezember 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Nach Tata-Deal Thyssenkrupp besorgt sich eine Milliarde Euro für Wachstum

Thyssenkrupp-Werk in Bruckhausen (Duisburg): Der Industriekonzern erhöht sein Grundkapital um 10 Prozent

Der Industriekonzern Thyssenkrupp hat sich nach der Einigung auf eine Fusion seiner Stahlsparte mit dem Geschäftsbereich von Tata Steel gut eine Milliarde Euro am Kapitalmarkt besorgt. Durch die Platzierung von knapp 56,6 Millionen neuer Aktien fließen dem Unternehmen brutto rund 1,4 Milliarden Euro zu, wie aus einer am späten Montagabend veröffentlichten Mitteilung des Essener Konzerns hervorgeht.

Der Preis habe bei 24,30 Euro je Stück gelegen, hieß es weiter. Händlern zufolge wurden die Papiere damit am unteren Ende der Spanne veräußert. Der Schlusskurs im Xetra-Handel am Montag lag bei 24,70 Euro. Käufer waren der Mitteilung zufolge institutionelle Investoren. Das Grundkapital der Gesellschaft erhöhte sich damit um 10 Prozent.

Cevian beteiligte sich offenbar an Kapitalerhöhung

Der Schritt folge "auf wesentliche strategische Weichenstellungen der vergangenen Monate", hatte es in einer vorherigen Mitteilung zur Ankündigung der Maßnahme geheißen. Man schaffe sich Spielraum für Wachstum im Industriegütergeschäft. Der Aktienkurs von Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen hatte im Anschluss an die erste Mitteilung um 2 Prozent nachgegeben.

Am Dienstag zählten die Aktien von Thyssenkrupp mit minus 0,83 Prozent auf 24,495 Euro zu den schwächsten Werten im Dax. Zum Handelsstart waren sie allerdings noch bis auf 24,18 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit Juni gefallen.

Der Finanzinvestor Cevian hat sich einem Insider zufolge an der Kapitalerhöhung von Thyssenkrupp beteiligt. Der Großaktionär habe mitgezogen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Damit dürfte der Anteil in der Höhe von zuletzt rund 18 Prozent in etwa gleich geblieben sein.

Größter Anteilseigner ist die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Die Stiftung wollte sich nicht dazu äußern, ob sie sich beteiligt hat. Dies galt aber als unwahrscheinlich, hatte sie sich doch bereits bei der vorherigen Kapitalerhöhung im Jahr 2013 zurückgehalten. Sollte sie auch diesmal nicht mitgezogen haben, dürfte sich ihr Paket von zuletzt rund 23 Prozent auf knapp 21 Prozent verwässert haben.

Vergangene Woche hatte Thyssenkrupp eine Einigung mit Tata Steel über eine Zusammenlegung der europäischen Stahlgeschäfte erzielt. An dem Gemeinschaftsunternehmen, das seinen Sitz in den Niederlanden haben soll, wollen beide Partner 50 Prozent halten. Bis Anfang 2018 soll der Deal in trockenen Tüchern sein. Thyssenkrupp und Tata erhoffen sich durch die Zusammenlegung ihrer Aktivitäten Synergien in Millionenhöhe - die erwarteten jährlichen Einsparungen bezifferte der Essener Konzern auf 400 bis 600 Millionen Euro.

"Bis sich die positiven Effekte aus der Transaktion auf unsere Bilanz auswirken, braucht es aber Zeit", sagte Konzernchef Heinrich Hiesinger nun mit Blick auf die Kapitalerhöhung. "Diese Zeit nutzen wir, um schon jetzt unsere Industriegütergeschäfte zu stärken."

mg/dpa-afx/rtr

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH