Dienstag, 19. Juni 2018

IG Metall fordert Bekenntnis zum Schiffsbau ThyssenKrupp lotet Verkauf des Marinegeschäfts aus

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Die IG Metall hat Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen dazu aufgefordert, sein Marinegeschäft voranzutreiben und die Arbeitsplätze zu sichern. "Von Thyssenkrupp erwarten wir eine klare und unmissverständliche Erklärung, dass der Konzern am Marineschiffbau festhält und weder Arbeitsplätze noch Standorte im Überwasser- und Unterwasserschiffbau in Frage stellt", sagte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken.

Er reagierte damit auf anderslautende Berichte, in denen es unter Berufung auf Insider heißt, der Konzern lotete einen Verkauf des Marinegeschäfts oder Teilen davon aus. Grund dafür sei die Entscheidung der Bundesregierung, das Unternehmen nicht am Bau des Mehrzweckkampfschiffs MKS 180 zu beteiligen, berichtete das "Handelsblatt". So erwäge ThysssenKrupp den Verkauf oder die Schließung von Werften.

"Für Thyssenkrupp Marine Systems war und ist der Überwasserschiffbau ein zentrales Standbein", sagte ein Sprecher der Sparte. Der Konzern setze alles daran, bei wegweisenden Schiffbauprojekten wie den MKS 180 seine Leistungsfähigkeit und Erfahrung einzubringen. "Nur so können wir entscheidendes Know-how für den Überwasserschiffbau in Deutschland erhalten, den die Bundesregierung als Schlüsseltechnologie bezeichnet hat." Diesen Aspekt griff auch die Gewerkschaft auf, zumal laut "Handelsblatt" bei einem Scheitern der Gespräche von Thyssenkrupp unter anderem mit Wettbewerbern über eine Partnerschaft rund 1000 der insgesamt 6000 Jobs im Überwasserbereich auf dem Spiel stehen könnten.

"Die Unternehmen und die Bundesregierung tragen die Verantwortung für das drohende Desaster im Marineschiffbau, kritisierte Geiken. "Statt sich gemeinsam mit uns in Berlin für den Erhalt des wichtigen Know-hows einzusetzen, liefern sich die Unternehmen einen dramatischen Verdrängungswettbewerb auf Kosten der Beschäftigten."

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Ausgelöst worden sei das Ganze durch das Bundesverteidigungsministerium, das mit der europaweiten Ausschreibung des Milliarden-Auftrags MKS 180 das Aus des Marineschiffbaus in Deutschland billigend in Kauf nehme. "Von der Bundesregierung erwarten wir, dass sie den Überwasserschiffbau - wie im Koalitionsvertrag angekündigt - als Schlüsselindustrie einstuft." Sie müsse über alle Wertschöpfungsstufen hinweg eine strategische Perspektive für den deutschen Marineschiffbau in Europa entwickeln.

rtr/akn

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