Donnerstag, 18. Oktober 2018

Hiesinger wehrt sich gegen Zerschlagungspläne ThyssenKrupp-Chef lockt mit höherer Dividende

ThyssenKrupp Chef Heinrich Hiesinger verspricht höhere Dividende: "Werden unsere Zielsetzungen anpassen"

Nach massiver Kritik aus den Reihen der Großaktionäre hat Thyssenkrupp -Chef Heinrich Hiesinger während der Hauptversammlung den bisherigen Kurs des Unternehmens verteidigt. Nach Zerschlagungsforderungen sprach sich der Konzernchef für einen Erhalt des Unternehmens als Ganzes aus.

"Mit unserer strategischen Weiterentwicklung sind wir angetreten, die Geschäfte von Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen zukunftsfähig zu machen. Gleichzeitig wollen wir die Größe und die Gemeinschaftsvorteile nutzen, um jedes einzelne Geschäft profitabler zu machen", sagte Hiesinger am Freitag.

Zudem stellte Hiesinger den Aktionären eine höhere Dividende in Aussicht, was den Kurs der Aktie am Freitag stützte. "Mittelfristig werden wir deutlich höhere Ergebnis-, Cash-, und Wertbeiträge erzielen, und damit wird auch wieder eine höhere Dividende möglich", sagte Hiesinger. Er kündigte an, im Frühsommer die Ziele des Konzerns zu konkretisieren. "Wie genau wir das angehen, wird Teil unseres jährlichen Strategiedialogs von Vorstand und Aufsichtsrat im Mai sein."

Der Konzern werde nach der Gründung des Stahl-Joint-Ventures mit Tata Steel anders aussehen. "Entsprechend werden wir unser strategisches Zukunftsbild schärfen und auch unsere finanziellen Zielsetzungen anpassen."

Scharfe Kritik von Großaktionär Cevian

Mehrere Investoren hatten den Kurs des Mischkonzerns, der neben Stahl auch Aufzüge, Anlagen, Autoteile und U-Boote herstellt, scharf kritisiert. Die Fondsgesellschaft Union Investment hatte Anfang Dezember in einem Reuters-Interview eine Schärfung der Strategie gefordert. "Thyssenkrupp sollte das Thema Stahl gut und rasch über die Bühne bringen, um sich den weiter bestehenden Problemen zu widmen", hatte Portfolio-Manager Ingo Speich gesagt.

ThyssenKrupp: Hiesingers Kampf um die richtige Strategie

Der nach der Krupp-Stiftung zweitgrößte Einzelaktionär Cevian fordert einen grundlegenden Umbau des Konzerns. "Die aktuelle Konglomeratsstruktur ist zu komplex und schwerfällig. Das ist die Ursache für die unterdurchschnittliche Leistung von Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen ", hatte Lars Förberg, Gründer und Chef von Cevian, Reuters kürzlich gesagt. "Hätte das Unternehmen seine eigenen Margenziele erreicht, wäre die Aktie 50 Euro wert, doppelt so viel wie heute."

Für 2017 zahlt ThyssenKrupp 15 Cent Dividende je Aktie

Die Aktionäre sollen wie im Vorjahr eine Dividende von 15 Cent je Anteilsschein erhalten. Klar sei, dass der Vorstand einen höheren Anspruch habe, sagte Hiesinger. Der seit sieben Jahren amtierende Vorstandschef machte aber einmal mehr deutlich, dass es unter seiner Führung keine Befreiungsschläge geben wird. "Wir setzen unsere Strategie Schritt für Schritt um. Wir arbeiten mit einer langfristigen Perspektive."

Hiesinger bestätigte die Ziele für das Geschäftsjahr 2017/18 (per Ende September) und warb für einen "integrierten Konzern". Er reagierte damit indirekt auf die jüngsten Zerschlagungsfantasien, ausgelöst durch Forderungen des schwedischen Großaktionärs Cevian Capital.

In seiner Rede vor den Aktionären wies Hiesinger nun auf eine langfristige Strategie und ein "verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln" hin. Das sei gleichermaßen im Interesse von Kunden, Mitarbeitern und Aktionären, sagte er. Der Chef des schwedischen Finanzinvestors Cevian, Lars Förberg, hatte dagegen die Struktur des Konzerns sowie einen "Wasserkopf" in der Verwaltung kritisiert.

la/dpa

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