Donnerstag, 21. September 2017

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Stahl-Plan für Deutschland "Deutsche Stahl AG" soll Thyssen-Tata-Fusion verhindern

Die Gespräche über eine mögliche Fusion des Stahlgeschäfts von ThyssenKrupp mit dem europäischen Geschäft von Tata Steel ziehen sich schon lange hin - viele Mitarbeiter des deutschen Stahlkonzerns sind gegen diese Fusion

Der Stahlriese Tata Steel will schneller wachsen und einen insolventen Konkurrenten schlucken. Auch die angestrebte Fusion mit der Stahlsparte von ThyssenKrupp dient diesem Zweck. Doch Politiker und Gewerkschaften machen dagegen mobil. Eine "Deutsche Stahl AG" soll diesen Plan durchkreuzen.

Der indische Stahlhersteller Tata Steel hat offenbar Interesse an dem insolventen Konkurrenten Essar Steel. Das berichtet die indische "Economic Times" am Donnerstag und beruft sich dabei auf zwei mit dem Prozess vertraute Personen.

Tata Steel habe sein Interesse für ein Angebot bekundet. Das neue Management von Tata Steel wolle so wieder die Spitzenposition auf dem indischen Stahlmarkt zurückerobern, nachdem der Konzern diese an JSW Steel verloren habe, erklärte ein mit der Situation vertrauter Investmentbanker.

Tata wollte dies weder bestätigen, noch dementieren, erklärte jedoch, dass das Unternehmen stetig verschiedene strategische Möglichkeiten prüfe. Tata Steel hatte zuletzt bekundet, wachsen zu wollen - sowohl durch Ausweitung der Kapazitäten als auch durch Übernahmen.

Widerstand gegen Fusion des Stahlgeschäfts mit ThyssenKrupp

Mit dem deutschen Dax-Konzern ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen verhandelt der Stahlhersteller zudem gerade über eine Zusammenlegung der europäischen Geschäfte. Hier allerdings droht erheblicher Widerstand aus der Politik und von Gewerkschaften. Politiker und Gewerkschaftler wollen laut "Handelsblatt" (kostenpflichtig) die angepeilte Fusion verhindern.

Dazu solle eine "Deutsche Stahl AG" gegründet werden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise. Unternehmer Jürgen Großmann werde gedrängt, seine Stahlgruppe Georgsmarienhütte einzubringen.

Großmann selbst habe zwar auf Anfrage entsprechende Pläne dementiert, im Hintergrund lote er die Machbarkeit aber dennoch aus. Aufgrund der Dimension des Deals schätzten Vertreter aus Branche und Politik die Erfolgschancen eher gering ein.

Das Konstrukt könnte dem Bericht zufolge auch die Salzgitter AG Börsen-Chart zeigen umfassen. Während das Unternehmen solche Pläne bisher ablehne, komme Unterstützung von der IG Metall. Das Stahlgeschäft solle in deutscher Hand bleiben und Tata außen vor, fordere ein Gewerkschafter. Auch in den Reihen von ThyssenKrupp finde der Plan Anhänger. ThyssenKrupp habe sich nicht dazu geäußert.

ThyssenKrupp will den Konzern umbauen und stärker auf das stabilere Industriegüter- und Dienstleistungsgeschäft setzen. Dazu prüfen die Essener mehrere Optionen für das unter Überkapazitäten leidende Stahlgeschäft, wo das Management eine Konsolidierung erwartet. Bereits seit eineinhalb Jahren verhandelt ThyssenKrupp deshalb mit Tata Steel über eine Zusammenlegung des europäischen Stahlgeschäfts. Doch die Gespräche gestalten sich schwierig.

Zuletzt waren auch Spekulationen über andere Möglichkeiten aufgetaucht - zum Beispiel eine Aufspaltung, wie Bloomberg berichtete. Dabei könnte ThyssenKrupp das europäische Stahlgeschäft behalten und die meisten anderen Aktivitäten abspalten.

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