Montag, 16. Juli 2018

Stahlbündnis von Thyssenkrupp und Tata Steel Großaktionär Cevian votiert gegen Joint Venture

Thyssenkrupp-Aufsichtsratmitglied Jens Tischendorf von Cevian Capital kämpfte gegen das Joint Venture mit Tata Steel
picture alliance / Rolf Vennenbe
Thyssenkrupp-Aufsichtsratmitglied Jens Tischendorf von Cevian Capital kämpfte gegen das Joint Venture mit Tata Steel

Die Konkurrenten Thyssenkrupp und Tata wollen den zweitgrößten Stahlkonzern Europas gründen. Am Freitag beschloss der Aufsichtsrat von ThyssenKrupp mehrheitlich, dem Vorhaben der beiden Stahlriesen zuzustimmen und das Gemeinschaftsunternehmen unter dem Namen Thyssenkrupp Tata Steel B.V. mit Sitz in den Niederlanden zu gründen. Dabei soll Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen mit einem Anteil von 50 Prozent an dem Joint Venture beteiligt werden, das jährlich wiederkehrende Synergien in Höhe von 400 bis 500 Millionen Euro bringen soll.

Doch das Votum im Aufsichtsrat fiel keinesfalls einstimmig aus, berichten verschiedene Medien. Bis zum Schluss soll Jens Tischendorf, seines Zeichens Vertreter des Großinvestors Cevian Capital, der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge versucht haben, das Stahlgeschäft zu kippen. Tischendorf wie Vertreter des schwedischen Finanzinvestors Okay sollen laut "Handelsblatt" die Zustimmung verweigert haben.

Schon zuvor war bekannt geworden, dass einige große Aktionäre mit dem vereinbarten Deal unzufrieden seien, da Thyssenkrupp angesichts der Geschäftslage der beiden Partner zu schlecht wegkomme. Am Ende stimmte das Gremium unter der Führung von Ulrich Lehner dem Joint Venture am Freitag zu. Die Sitzung soll jedoch bis zum Abend gedauert und die Notare die Verträge stundenlang geprüft haben.

Zuletzt war Vorstandschef Heinrich Hiesinger immer wieder unter Druck geraten, weil Anteilseigner wie der US-Hedgefonds Elliott und Cevian mehr Tempo bei dem seit langem angekündigten Umbau des Ruhrkonzerns gefordert hatten. "Jetzt ist es dringend notwendig, die Gelegenheit zu nutzen, um die erhebliche und andauernde Underperformance der Industriesparten zu beseitigen", forderte Cevian-Gründungspartner Lars Förberg nun am Sonntag. "Thyssenkrupp ist mit der Strategie des Konglomerats und seiner Matrixorganisation gescheitert. Jetzt muss für jede der Sparten konsequent geprüft werden, welche Struktur und welche Eigentumsverhältnisse am besten geeignet sind." Auch die Fondsgesellschaft Union Investment forderte, den Konzernumbau voranzutreiben. Portfoliomanager Ingo Speich sprach am Montag von einem "Schritt in die richtige Richtung", jedoch sei das "Ergebnis der Nachverhandlungen enttäuschend".

Joint Venture mit Tata: Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger spricht von "historischem Meilenstein"
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Joint Venture mit Tata: Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger spricht von "historischem Meilenstein"

Die Strategie solle bis Mitte Juli vorgelegt werden, hatten die Unternehmen am Samstag vor Investoren in Essen angekündigt. Details zum Gemeinschaftsunternehmen sollten am Montag in Brüssel bekannt gegeben werden - von Thyssenkrupp-Chef Hiesinger und dem Chef der Tata-Stahlsparte, Natarajan Chandrasekaran. Ziel ist es, Europas zweitgrößter Stahlkonzern nach ArcelorMittal mit rund 48.000 Mitarbeitern, einem Umsatz von über 17 Milliarden Euro und Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlande zu bilden.

Hiesinger warnte nun am Montag vor den neuen amerikanischen Importbeschränkungen, die Arbeitsplätze in Europa bedrohten. Die geplante Fusion sei ein "historischer Meilenstein. Vor dem Hintergrund von Überkapazitäten auf dem Stahlmarkt sei Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen besonders wichtig, sagte der Thyssenkrupp-Chef.

In den kommenden Wochen werde nun voraussichtlich das Management des neuen Unternehmens seine Arbeit aufnehmen. Vorher müssten aber noch die Wettbewerbsbehörden dem Zusammenschluss zustimmen. Bis dahin würden beide Unternehmen zunächst noch getrennt am Markt auftreten.

Die erwarteten Synergien fallen den Angaben zufolge mit 400 bis 500 Millionen in der Spitze um 100 Millionen Euro niedriger aus als zunächst erwartet. Zum Zeitpunkt eines möglicherweise geplanten Börsengangs des neuen Stahlunternehmens wollten beide Unternehmen zunächst keine Stellung nehmen. Dabei spielt dies eine wichtige Rollen, denn mit dem Börsengang soll Thyssenkrupp einen etwas höheren Anteil am Erlös erhalten, um die Bewertungslücke zu schließen, die durch die zuletzt schlechtere Geschäftsentwicklung von Tata entstanden ist.

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Für heftige Proteste hatte der geplante Zusammenschluss im Vorfeld auch bei den Arbeitnehmervertretern gesorgt. Doch schließlich signalisierten die Arbeitnehmervertreter Zustimmung. "Ich bin froh, dass wir Klarheit haben und die Beschäftigten nach einer ewig langen Zeit der Unsicherheit nun wissen, wohin die Reise geht", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Thyssenkrupp-Stahlsparte, Tekin Nasikkol. "Wir erwarten, dass die Belegschaft mitgenommen und offen kommuniziert wird."

Die deutschen Stahlkocher hatten zuvor eine Beschäftigungsgarantie bis zum 30. September 2026 sowie eine langfristige Standortsicherung erhalten. Geplant ist aber auch der Abbau von bis zu 4000 Stellen, davon etwa die Hälfte in Deutschland.

An der Börse konnte die Aktie von Thyssenkrupp nicht von der Vereinbarung des Joint Ventures profitieren. Stattdessen büßten die Papiere bis zur Mittagszeit 0,96 Prozent auf 20,62 Euro ein. Damit waren sie einer der größten Verlierer im schwächelnden Dax . "Dass die Reaktion negativ ausfällt, liegt zum einen daran, dass Anleger sich von den Nachverhandlungen mit Tata Steel etwas mehr erhofft hatten", sagte ein Händler. Zum anderen sei der Schritt schon lang erwartet worden und daher kein Kurstreiber mehr.

akn/dpa-afx

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