Mittwoch, 19. Dezember 2018

"Forderung nach Wertsteigerung ist berechtigt" Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff gegen Zerschlagung - aber offen für Kritik

Neuer Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff: "Thyssenkrupp muss endlich wieder genug Geld verdienen"

Der neue Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff hat einer Zerschlagung des Konzerns eine Absage erteilt. Der Aufsichtsrat habe das klare Mandat erteilt, den bisherigen Weg bis auf weiteres mit allen Geschäften fortzusetzen, hieß es in einem der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwochabend vorliegenden Text einer Videobotschaft des Managers an die Mitarbeiter. "Wir müssen aber auch ehrlich sein: Trotz aller Anstrengungen und Veränderungen haben wir noch nicht alles erreicht, was wir uns vorgenommen haben."

Thyssenkrupp müsse endlich wieder genügend Geld verdienen, so Kerhoff. Zuvor hatte auch Arbeitsminister Hubertus Heil vor einer Zerschlagung gewarnt. Der Konzern steckt nach denRücktritten von Ex-Chef Heinrich Hiesinger und Aufsichtsratschef Ulrich Lehner in einer Führungskrise. Hinzu kommt die lautstarke Kritik aktivistischer Investoren.

"Die Forderung unserer Aktionäre nach einer Wertsteigerung ist berechtigt", betonte Kerkhoff. Die Rendite müsse gesteigert werden, um das Vertrauen des Kapitalmarkts zu stärken.

Der Manager ging damit auch auf Investoren wie den Großaktionär Cevian und dem US-Hedgefonds Elliott zu, die den bisherigen Kurs kritisiert hatten. Sie fordern, alle Sparten unter die Lupe zu nehmen, die Rendite zu steigern oder die Geschäfte abzustoßen.

Diese umfassen neben dem Stahl auch den Anlagenbau, Autoteile, Aufzüge oder U-Boote. Unter dem Druck der Investoren und wegen eines managenden Rückhalts im Aufsichtsrat hatten Vorstandschef Heinrich Hiesinger und der Chef des Aufsichtsrats, Ulrich Lehner, ihren Rücktritt erklärt.

Führungskrise bei Thyssenkrupp alarmiert Bundesregierung

Kerkhoff machte allerdings deutlich, dass er den Konzern nicht um jeden Preis auf Rendite trimmen werde. "Wichtig ist uns dabei aber der nachhaltige Erfolg. Dafür brauchen wir immer eine gute Balance, die die Interessen von Kunden, Mitarbeitern und Aktionären ausgewogen berücksichtigt", betonte der Manager. "Kurzfristige Renditemaximierung auf Kosten der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens ist nicht unser Ziel."

Die Führungskrise des Traditionskonzerns alarmiert auch die Bundesregierung." Wir beobachten die Situation von Thyssenkrupp intensiv und mit zunehmender Sorge", sagte Arbeitsminister Heil der zu Reuters. Das Essener Unternehmen habe wichtige Weichenstellungen in Richtung des Erhalts als integrierter Konzern eingeleitet und damit die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft gelegt. Dies dürfe nicht gefährdet werden. "Alle Beteiligten sollten gemeinsam daran arbeiten, Thyssenkrupp als bedeutenden Konzern des Standorts Deutschland zu stärken und damit die Arbeitsplätze zu sichern."

Weitere Sparprogramme in Vorbereitung

Kerkhoff bereitete die Mitarbeiter auch auf weitere Sparprogramme vor. "Unsere Verwaltungskosten sind einfach zu hoch." Auch die Konzernzentrale werde sich verändern müssen. Die Ertragsperle des Unternehmens, das Aufzugsgeschäft, will er entgegen den Wünschen mancher Investoren nicht versilbern. Die Konkurrenten seien aber teilweise besser aufgestellt. "Wir müssen deshalb weiter systematisch unsere Produkte standardisieren, Werke profitabler machen, das Servicegeschäft ausbauen und die Verwaltungskosten senken."

Das Geschäft mit Autoteilen will der 50-jährige Finanzexperte ebenso voranbringen wie den Werkstoffhandel, an dem bereits der Konkurrent Klöckner Interesse angemeldet hatte. "Wir werden weiter konsequent an der Ergebnisverbesserung arbeiten und unsere digitalen Kanäle und den Serviceanteil ausbauen, um auch hier unsere ehrgeizigen Ziele zu erreichen." Sorgenkind bleibe der Anlagenbau. Die Anzahl der Großaufträge sei zurückgegangen. "Daher müssen wir uns in Zukunft eher auf kleinere und mittelgroße Aufträge und auf das margenstarke Service-Geschäft ausrichten." Dazu werde die Organisation und Arbeitsweise angepasst und der Umbau konsequent fortgesetzt.

von Tom Käckenhoff und Gernot Heller, Reuters

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