Montag, 11. Dezember 2017

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Thyssen-Betriebsräte warnen Vorstand Nichts bewegt sich - "keinen Millimeter"

Thyssenkrupp-Stahlarbeiter stehen der geplanten Fusion der Stahlsparte mit dem Wettbewerber Tata sehr kritisch gegenüber

Im Streit über die geplante Stahlfusion mit Tata hat der Betriebsrat der Thyssenkrupp-Stahlsparte davor gewarnt, das Vorhaben gegen den Willen der Arbeitnehmervertreter durchzudrücken. Ansonsten drohe ein "tiefer Vertrauensbruch", sagte der Betriebsratsvorsitzende der Stahlsparte, Günter Back, am Donnerstag nach einer Betriebsversammlung in Duisburg.

Der stellvertretende Betriebsratschef, Tekin Nasikkol, ergänzte: "Stand heute würde sich meiner Einschätzung nach keine Mehrheit für eine Fusion ergeben - zu viele Schulden, zu wenige Zusagen, zu wenig Sicherheit - so wird das nichts." Nasikkol sitzt auch im Aufsichtsrat des Konzerns. Das Gremium soll im kommenden Jahr über das geplante Joint Venture abstimmen.

Allerdings könnte die Fusion im Aufsichtsrat auch dann beschlossen werden, wenn die Arbeitnehmervertreter diese ablehnen. Die Arbeitnehmervertreter stellen die Hälfte der Mitglieder. Kommt es zu einem Patt, könnte das Management die Fusionspläne mit Hilfe der Doppelstimme des Aufsichtsratsvorsitzenden Ulrich Lehner durchboxen. Konzernchef Heinrich Hiesinger hatte zuvor jedoch auch betont, eine Lösung mit den Arbeitnehmervertretern finden zu wollen.

Jetzt sollen 25.000 Arbeiter über das bislang Erreichte abstimmen

Bei den bisherigen Gesprächen mit der Thyssenkrupp-Geschäftsführung sei man "keinen Millimeter" weitergekommen, zeigte sich Back enttäuscht. Die Arbeitnehmervertreter fordern langfristige Arbeitsplatz- und Standortgarantien, die in einem Tarifvertrag geregelt werden sollen.

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Um Bewegung in die Gespräche zu bringen, sei nun geplant, den bis zum 22. Dezember erzielten Verhandlungsstand den mehr als 25.000 IG Metall-Mitgliedern in der Belegschaft zur Abstimmung vorzulegen.

Um Thyssenkrupp neu aufzustellen, soll unter anderem das europäische Stahlgeschäft mit dem des indischen Konzerns Tata verschmolzen werden. Dagegen laufen IG Metall und Betriebsräte seit Monaten Sturm. Die Arbeitnehmervertreter befürchten bei einer Fusion der bisherigen Konkurrenten den Abbau von deutlich mehr als 2000 Jobs in Deutschland und kritisieren die anvisierte Verlegung des Sitzes der Stahlsparte in die Niederlande.

Rei/dpa

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