07.12.2017

Thyssen-Betriebsräte warnen Vorstand

Nichts bewegt sich - "keinen Millimeter"

Rei/dpa

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Thyssenkrupp-Stahlarbeiter stehen der geplanten Fusion der Stahlsparte mit dem Wettbewerber Tata sehr kritisch gegenüber

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Der Streit um die Stahlsparte von ThyssenKrupp geht in die Endphase. Der Konzern hat mit Tata Steel eine Absichtserklärung unterzeichnet, nach der Thyssens Stahlgeschäft mit jenem des indischen Konkurrenten fusioniert werden soll. Ob es tatsächlich so kommt, hängt allerdings von der Zustimmung des Aufsichtsrats ab, in dem die Arbeitnehmerseite, die dem Vorhaben kritisch gegenübersteht, die Hälfte der Sitze hat. Weitere Beteiligte am Ringen um Thyssens Stahlbereich sind beispielsweise die Großaktionäre sowie die Politik. Hier der Überblick darüber, wer in der Causa welches Interesse verfolgt:

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ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger:
Hiesinger will den Konzern eigentlich als Ganzes erhalten, versucht aber dennoch seit zwei Jahren, das Stahlgeschäft herauszulösen. Der Grund: Die Stahlbranche durchlief in den vergangenen Jahren eine Krise, in der ein weltweites Überangebot die Preise in den Keller rutschen ließ. Zuletzt gab es zwar Zeichen der Besserung, das Geschäft gilt jedoch weiterhin als hochvolatil und wirft keine üppigen Margen ab.
Hiesinger hält daher offenbar die Konsolidierung der Branche für den richtigen Weg - und mit dem Tata-Deal könnte er aktiv daran teilnehmen. Scheitert das Vorhaben, könnte das nach aller Anstrengung zudem auch Konsequenzen für Hiesingers Karriere haben.

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Krupp-Stiftungs-Chefin Ursula Gather:
Hauptaktionär von ThyssenKrupp ist mit 23 Prozent der Anteile die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung (kurz: Krupp-Stiftung), die auch zwei Mitglieder in den ThyssenKrupp-Aufsichtsrat entsandt hat. Die Dividenden aus dieser Beteiligung dienen der Stiftung als wichtige Geldquelle, aus der sie ihre Projekte und Förderungen finanziert.
Stiftungs-Chefin Gather stand zwar auf Anfrage für ein Statement nicht zur Verfügung. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die Stiftung eine ähnliche Linie vertritt, wie Konzernchef Hiesinger: Generell sollte der ThyssenKrupp-Konzern erhalten bleiben, dem Zusammenschluss der Stahlsparte mit Tata Steel dürften sich die Vertreter der Stiftung im Aufsichtsrat aber kaum widersetzen.

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Cevian-Deutschlandchef Jens Tischendorf:
Zweitgrößter Aktionär bei ThyssenKrupp ist mit gut 15 Prozent seit wenigen Jahren der Finanzinvestor Cevian aus Schweden, dessen Deutschland-Chef Jens Tischendorf auch einen Sitz im Aufsichtsrat des Konzerns hat.
Cevian galt lange als Unterstützer der Linie Hiesingers bei den Verhandlungen mit Tata Steel. Zuletzt hat der Großaktionär jedoch angeblich seine Haltung geändert. Anstelle des Tata-Deals favorisiere Cevian nun die komplette Aufspaltung des ThyssenKrupp-Konzerns, berichtete Bloomberg mit Verweis auf mit der Situation vertraute Personen.
Ein "Nein" Cevians gegen den Thyssen-Tata-Deal im Aufsichtsrat könnte fatale Folgen haben. Denn falls die Arbeitnehmer das Vorhaben im Kontrollgremium ablehnen sollten, wäre Konzernchef Hiesinger zumindest auf der Kapitalseite auf Einigkeit angewiesen.

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ThyssenKrupp-Betriebsratschef Wilhelm Segerath:
Von der Arbeitnehmerseite bekommt ThyssenKrupp-Chef Hiesinger viel Gegenwind auf seinem Kurs zur Verschmelzung der Stahlsparte des Konzerns mit Tata Steel. Die Beschäftigten - rund 22.000 arbeiten noch in den Thyssen-Stahlwerken in Duisburg und Bochum - fürchten um ihre Jobs und um die bislang bestehenden Möglichkeiten zur Mitbestimmung. Tatsächlich rechnen Thyssen und Tata bei dem Deal mit Synergieeffekten von 400 bis 600 Millionen Euro. Durch den Zusammenschluss würden bis zu 2000 Jobs in der Verwaltung wegfallen und möglicherweise bis zu 2000 weitere in der Produktion. Die Lasten sollen beide Partner etwa zu gleichen Teilen tragen.
Am Freitag wollen die Stahlarbeiter in Bochum demonstrieren. Medienberichten zufolge bevorzugen die Arbeitnehmer sowie die IG Metall die Option, ThyssenKrupp-Stahl in eine Deutsche Stahl AG einzubringen, gemeinsam mit anderen Branchenfirmen. Diese Pläne sind aber nicht alles andere als konkret. Zuletzt sprachen Thyssens Betriebsräte denn auch weniger von Opposition gegen das Tata-Vorhaben, als von der Notwendigkeit, die "schlechte Entscheidung mitzugestalten".

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Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet:
Die Nordrhein-westfälische Schwarz-Gelbe-Landesregierung, die das Thema nicht zuletzt aufgrund der bevorstehenden Bundestagswahl wohl sehr sensibel behandeln sollte, hat sich bereits für den Deal mit Tata ausgesprochen. "Wir haben mit der möglichen Fusion mit Tata die Chance, mit einem starken Partner in Europa zusammengehen zu können", sagte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) kürzlich im Düsseldorfer Landtag. Die SPD dagegen ist gegen das Vorhaben und mahnt an, andere Optionen zu prüfen.

Im Streit über die geplante Stahlfusion mit Tata hat der Betriebsrat der Thyssenkrupp-Stahlsparte davor gewarnt, das Vorhaben gegen den Willen der Arbeitnehmervertreter durchzudrücken. Ansonsten drohe ein "tiefer Vertrauensbruch", sagte der Betriebsratsvorsitzende der Stahlsparte, Günter Back, am Donnerstag nach einer Betriebsversammlung in Duisburg.

Der stellvertretende Betriebsratschef, Tekin Nasikkol, ergänzte: "Stand heute würde sich meiner Einschätzung nach keine Mehrheit für eine Fusion ergeben - zu viele Schulden, zu wenige Zusagen, zu wenig Sicherheit - so wird das nichts." Nasikkol sitzt auch im Aufsichtsrat des Konzerns. Das Gremium soll im kommenden Jahr über das geplante Joint Venture abstimmen.

Allerdings könnte die Fusion im Aufsichtsrat auch dann beschlossen werden, wenn die Arbeitnehmervertreter diese ablehnen. Die Arbeitnehmervertreter stellen die Hälfte der Mitglieder. Kommt es zu einem Patt, könnte das Management die Fusionspläne mit Hilfe der Doppelstimme des Aufsichtsratsvorsitzenden Ulrich Lehner durchboxen. Konzernchef Heinrich Hiesinger hatte zuvor jedoch auch betont, eine Lösung mit den Arbeitnehmervertretern finden zu wollen.

Jetzt sollen 25.000 Arbeiter über das bislang Erreichte abstimmen

Bei den bisherigen Gesprächen mit der Thyssenkrupp-Geschäftsführung sei man "keinen Millimeter" weitergekommen, zeigte sich Back enttäuscht. Die Arbeitnehmervertreter fordern langfristige Arbeitsplatz- und Standortgarantien, die in einem Tarifvertrag geregelt werden sollen.

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Um Bewegung in die Gespräche zu bringen, sei nun geplant, den bis zum 22. Dezember erzielten Verhandlungsstand den mehr als 25.000 IG Metall-Mitgliedern in der Belegschaft zur Abstimmung vorzulegen.

Um Thyssenkrupp neu aufzustellen, soll unter anderem das europäische Stahlgeschäft mit dem des indischen Konzerns Tata verschmolzen werden. Dagegen laufen IG Metall und Betriebsräte seit Monaten Sturm. Die Arbeitnehmervertreter befürchten bei einer Fusion der bisherigen Konkurrenten den Abbau von deutlich mehr als 2000 Jobs in Deutschland und kritisieren die anvisierte Verlegung des Sitzes der Stahlsparte in die Niederlande.

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