Samstag, 21. April 2018

9 Jahre keine betriebsbedingten Kündigungen Thyssenkrupp lockt für Fusion mit Rekord-Garantien

Große Zweifel: Thyssenkrupp will seine Beschäftigten mit hohen Garantien für den Zusammenschluss seiner Stahlsparte mit Tata Steel gewinnen

Thyssenkrupp will mit weitreichenden Zugeständnissen die Zustimmung der Beschäftigten für die Fusion des Stahlgeschäfts mit Tata Steel gewinnen: Eine Vereinbarung mit der IG Metall schließt betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen für 9 Jahre aus. Gleichwohl hält sich der Konzern den gänzlichen Ausstieg aus dem Stahlgeschäft offen.

Die IG Metall will am 5. Februar das Ergebnis der Abstimmung über die mit dem Management von Thyssenkrupp getroffene Tarifvereinbarung für die Stahlsparte veröffentlichen. Die Abstimmung laufe vom 13. Januar bis zum 2. Februar, sagte ein Gewerkschaftsvertreter am Freitag.

Rund 20.500 IG-Metall-Mitglieder seien an den Standorten von Thyssenkrupp Steel Europe zur Teilnahme aufgerufen. "Jeder der 13 Standorte muss der Vereinbarung zustimmen, sonst kommt diese nicht zustande", sagte Detlef Wetzel, stellvertretender Aufsichtsratschef von Thyssenkrupp Steel Europe.

Konzernchef Heinrich Hiesinger kann die Pläne zwar auch gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter vom Aufsichtsrat absegnen lassen. Er würde damit aber einen Bruch mit den Gewerkschaften riskieren, auf deren Unterstützung er bei der Umsetzung der Fusion setzt.

Am Donnerstagabend hatten Arbeitnehmer und Thyssenkrupp eine Einigung im Streit um die geplante Stahlfusion mit Tata Steel bekanntgegeben. Die Abmachung zwischen Arbeitnehmern und Management enthält der IG Metall zufolge weitgehende Zugeständnisse an die Arbeitnehmer.

So sollen etwa betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen über neun Jahre ausgeschlossen werden, wenn Thyssenkrupp und Tata Steel ihre Stahlsparte zusammenlegen. "Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben", sagte auch Personalvorstand Oliver Burkhard. Der im Zuge der Fusion geplante Abbau von 2000 Stellen werde sozialverträglich ablaufen.

"Neun Jahre keine Kündigungen, neun Jahre keine Standortschließungen. Das hat es auch im Stahl so nie gegeben", sagte der stellvertretende Aufsichtsratschef von Thyssenkrupp Steel Europe, Detlef Wetzelbetonte Wetzel, der früher Chef der IG Metall war. Nicht durchsetzen konnte sich die Gewerkschaft mit ihrer Kritik am geplanten Sitz des Joint Ventures in den Niederlanden. "Steuerflucht und Mitbestimmungsflucht. Das ist die bittere Pille, die wir nicht verhindern konnten."

Thyssenkrupp schließt schrittweisen Ausstieg aus Stahlgeschäft nicht aus

Thyssenkrupp und Tata erhoffen sich durch die Zusammenlegung ihrer Aktivitäten hohe Einsparungen - früheren Angaben zufolge 400 bis 600 Millionen Euro jährlich. An dem Gemeinschaftsunternehmen sollen Thyssenkrupp und Tata je 50 Prozent besitzen.

Allerdings könnte es in den kommenden Jahren zu einer Verschiebung der Eigentümerstruktur kommen - und Thyssenkrupp seinen Anteil sukzessive reduzieren. "Mindestens sechs Jahre" will der Konzern zwar an dem Joint Venture beteiligt bleiben. Währenddessen sei eine Veränderung der Struktur aber nicht auszuschließen. Dabei nannte Thyssenkrupp auch einen Börsengang als eine Option. Einen vollständigen Rückzug aus dem Stahlgeschäft nach Ablauf der Frist schloss Burkhard nicht aus.

Rei/dpa/Reuters

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