Montag, 20. August 2018

Telekom-Tochter muss wegen teurer Tricks Millionen zahlen  Wie T-Mobile Kunden hinters Licht führte

John Legere: Der T-Mobile US-Chef ist erfolgreich - sorgt jedoch auch mit unlauteren Methoden für Schlagzeilen

Er verkauft sich als "customer lover" auf Twitter, der - gerne auch mal im Batman-Kostüm - für die Kunden gegen die Abzocker der großen US-Telekommunikationskonzerne kämpft. T-Mobile US-Chef John Legere hat mit seinem Marketingtalent und mit der Art und Weise, wie er die US-Tochter der Telekom wieder wettbewerbsfähig gemacht hat, bei der Telekom Börsen-Chart zeigen bereits Legendenstatus erreicht.

Einen Legendenstatus, den sich Legere gut bezahlen lässt. Mit mehr als 20 Millionen Dollar verdient der Chef der US-Tochter mehr als vier Mal so viel wie Telekom-Konzernchef Tim Hoettges, der 2016 umgerechnet 4,6 Millionen Dollar nach Hause trug.

Doch das Image des Kunden-Anwalts hat Risse bekommen. Denn das, was die US-Tochter der Telekom mit einigen US-Kunden angestellt hat, hat mit Kundenliebe nichts zu tun. Mehr noch: Es kostet T-Mobile US nun 40 Millionen Dollar (rund 32 Millionen Euro). Dies geht aus einem am Montag veröffentlichten Vergleich hervor, den T-Mobile US mit der US-Regulierungsbehörde FCC geschlossen hat. Darin gesteht T-Mobile US sein Fehlverhalten ein und gelobt Besserung.

Das Telefon klingelt - doch eine Verbindung kam nie zustande

Das Vergehen: Um zu verschleiern, dass Verbindungen in abgelegene ländliche Gebiete der USA gar nicht zustande kamen, hatte der Mobilfunker offenbar über Jahre bei mehreren hundert Millionen Anrufen einfach falsche Freizeichentöne eingespielt. Diese sollten den Kunden suggerieren, dass die Verbindung zustande gekommen sei, dass aber keiner abnehme.

Nicht nur Kunden, sondern auch Behörden wurden von T-Mobile US getäuscht. Denn der Konzern hatte auch den Behörden vorgegaukelt, entsprechende Verbindungsprobleme behoben zu haben, obwohl dies tatsächlich nicht der Fall war.

Es ist nicht das erste Mal, dass T-Mobile US in den USA mit illegalen Praktiken auffällt. Erst 2014 einigte sich der Mobilfunker mit der Federal Trade Commission (FTC) auf die Zahlung von 90 Millionen Dollar an geschädigte Kunden, denen T-Mobile US unerwünschte Dienstleitungen abgerechnet hatte.

Miese Tricks, die so gar nicht in das Image des "Uncarriers" passen, wie sich die Telekom-Tochter in den USA nennt. Und noch viel weniger zum ehemaligen Staatskonzern Telekom.

Dass der Stern von "Rockstar" Legere im Konzern sinken wird, ist aber nicht zu erwarten. Schließlich hatte der Manager erst gerade wieder gute Nachrichten für die Bonner zu verkünden: DieFusionsgespräche zwischen T-Mobile US und seinem Rivalen Sprint sind offensichtlich wieder in Gang gekommen.

Und das Papier der Telekom-Tochter hat sich seit dem Abbruch der letzten Gespräche deutlich besser entwickelt als das Sprint-Papier - was die Verhandlungsposition der Telekom gegenüber Sprint verbessert hat.

Für die Telekom, die knapp 65 Priozent an T-Mobile US hält, ist die wilde US-Tochter mittlerweile enorm wichtig. Zuletzt trug sie rund die Hälfte zum Konzernergebnis bei. Daher ist wahrscheinlich, dass die Telekom auch bei einem fusionierten Unternehmen T-Mobile US / Sprint das Sagen haben will und sich die Kontrolle nicht abkaufen lassen wird.

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