Montag, 29. August 2016

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Exportbranche China setzt deutschen Maschinenbauern doppelt zu

Mechaniker vor einer Turbine: Deutschlands Maschinenbauern stehen schwierigere Zeiten bevor, zeigt eine Studie

Den Exportweltmeister-Titel macht den deutschen Maschinenbauern zwar noch niemand streitig. Doch der Gegenwind wird stärker. Der russische Markt schwächelt deutlich, zeigt eine Studie. Und in China droht der Branche stärkere Konkurrenz.

Hamburg - Zumindest bei einer Zahl kann Deutschlands Vorzeigebranche noch richtig glänzen: Nach wie vor ist die Position der deutschen Maschinenbauer als Exportweltmeister unbestritten. Mit einem Welthandelsanteil von 14 Prozent im Jahr 2012 bleibt Deutschland die führende Maschinenbau-Exportnation, gefolgt von den USA und China.

Doch vieles deutet darauf hin, dass die Zeiten für Deutschlands Maschinenbauer rauer werden. Im vergangenen Jahr sind Deutschlands Maschinenexporte bei knapp 149 Milliarden Euro stagniert. In den ersten Monaten dieses Jahres lag der Auftragseingang leicht unter dem Vorjahresniveau - und in zwei wichtigen Märkten könnte es für die Deutschen in diesem Jahr schwierig werden. Das zeigt eine Studie des Beratungsunternehmens AlixPartners, die manager magazin online vorliegt.

Wenig erbaulich für Deutschlands Maschinenbauer ist die derzeitige Situation in Russland. Knapp fünf Prozent der deutschen Maschinenexporte gehen in das Land, das für die Branche der viertwichtigste Exportmarkt ist.

Bereits im Jahr 2013 gingen die Ausfuhren nach Russland leicht zurück, da sich die russische Konjunktur bereits abkühlte. Doch in den ersten beiden Monaten dieses Jahres sind die Maschinenbauexporte nach Russland um ganze 16 Prozent gesunken. Die politische Auseinandersetzung zwischen Russland und der Ukraine dämpft die Konjunkturerwartungen, drückt den Rubelkurs und vertreibt ausländische Investoren. Sollte die Krise andauern, meinen die Berater von AlixPartners, werde dies einen "spürbar negativen Effekt auf die deutschen Maschinenbauexporte nach Russland" haben.

Chinas Maschinenbauer bereiten zweite Expansionwelle vor

Besonders wichtig für die Deutschlands Vorzeigebranche ist der chinesische Markt. Das Riesenland sorgt im Alleingang für fast 30 Prozent der weltweiten Nachfrage nach Maschinenbau-Produkten. Zwischen 2003 und 2013 stieg die chinesischen Maschinenbau-Importe um jährlich 9 Prozent.

Doch nun deuten laut den Studienautoren einiges auf ein Ende dieser stabilen Wachstumsphase hin. In diesem Jahr wird die Nachfrage nach Maschinenbauprodukten moderat um 7 Prozent anziehen, heißt es in der Studie, in den folgenden Jahren rechnen die Autoren mit einem merklichen Rückgang des chinesischen Wirtschaftswachstums.

Deutsche Maschinenbauunternehmen haben sich in China längst einen ausgezeichneten Ruf erworben und gelten als Technologieführer. Noch können Chinas Maschinenbauer mit den Deutschen nicht mithalten. Doch nun wollen sie verstärkt mit Verbesserungen bei Instandhaltung und Service punkten - und drängen in neue Märkte.

Denn bislang haben die Chinesen vor allem in Entwicklungsländer expandiert.Doch ab 2015 erwarten die Studienautoren ein stärkeres Engagement der Chinesen in entwickelten Industrienationen. Zudem werden die Chinesen stärker auf Firmenkäufe setzen, um an Know-How zu gelangen - und technologische Rückstände mit besserem Service wettmachen wollen.

Deutschlands Maschinenbauunternehmen können hier gegensteuern, meinen die Autoren. Zum einen sollten sie auf die richtigen Technologien setzen - wie etwa Robotisierung und die intelligente Vernetzung der Produktion. Zum anderen bietet der mittlere Technologiesektor in Schwellenländern das größte Wachstumspotenzial. Deutsche Firmen können hier punkten, wenn sie an die lokalen Märkte angepasste, leicht abgespeckte Produkte anbieten.

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