Freitag, 9. Dezember 2016

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Teuerstes Versicherungsjahr seit 9/11 MH17-Absturz könnte Ticketpreise steigen lassen

Wrackteil von Flug MH17: Der Absturz hat Folgen für die gesamte Luftfahrtindustrie

Der mutmaßliche Abschuss der MH17 könnte auch für nicht betroffene Airlines und Fluggäste teuer werden. Angesichts zu erwartender Milliardenkosten für eine ganze Reihe von Abstürzen in der jüngsten Vergangenheit drehen die Versicherer aktuell kräftig an der Preisschraube.

London/Hamburg - Der Absturz von Malaysian Airlines MH17 ist noch nicht abschließend geklärt, ein Großteil der Opfer noch nicht indentifiziert. Wirtschaftlich hat das Unglück, bei dem am 17. Juli über der Ostukraine 298 Menschen den Tod fanden, jedoch bereits erste Folgen.

Laut einem Bericht der "Financial Times" dürfte - auch wegen des mutmaßlichen Abschusses von Flug MH17 - 2014 für die Versicherer das teuerste Jahr seit dem Angriff auf das World Trade Center 2011 werden. Mit einem Schaden jenseits der Zwei-Milliarden-Dollar-Marke. Wozu neben den beiden Vorfällen bei den Malaysian Airlines Flügen MH370 und MH17 auch die Unglücke inTaiwan und Mali vor wenigen Tagen einen beträchtlichen Teil beitragen dürften.

Und genau das hat schon jetzt Folgen für die Luftfahrtbranche. Zwar ist noch immer ungeklärt, welcher Versicherer letztlich für den Absturz der MH17 aufkommen wird. Denn wer zahlen muss, hängt entscheidend von der Unglücksursache ab.

Preissteigerungen von 300 Prozent

Doch laut "FT" haben die Versicherer angesichts der zu erwartenden Zahlungen schon jetzt den Preis für sogenannte "Kriegs-Policen" zum Teil um mehr als 300 Prozent erhöht. Andere forderten detaillierte Flugrouten von den Airlines oder erwögen, Versicherungsschutz für Flüge über Krisengebiete wie dem Mittleren Osten oder Afrika komplett zu verweigern.

Zwar macht die reine Kriegsschaden-Versicherungen des Flugzeugs beispielsweise bei der Lufthansa Börsen-Chart zeigen weniger als 5 Prozent der Gesamtprämien aus, wie die zuständige Delvag Luftfahrtversicherungs-AG betont.

Die Airlines seien entsprechenden Änderungen in der Geschäftspolitik der Versicherungen aber relativ wehrlos ausgesetzt, berichtet die "FT". Teilweise liege die Kündigungsfrist hier gerade einmal bei sieben Tagen.

Auch für andere Versicherungen, die teilweise beispielsweise Schäden für Passagiere, Gepäck und Dritte am Boden bei kriegerischen Handlungen mittlerweile mitabdecken, hätten die Preise zuletzt angezogen, berichtet das Blatt weiter. Wenn auch nicht in dem Maße wie bei den reinen "Kriegs"-Policen.

Kosten, die die Airlines wiederum auf die Ticketpreise umlegen dürften.

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