Dienstag, 24. Mai 2016

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Billig-Stahl aus China Deutsche Stahlindustrie fordert Zölle von bis zu 60 Prozent

Stahl-Barren bereit zum Export: Billigstahl aus China drückt die Preise weltweit in den Keller. Die europäische Stahlindustrie, nach China zweigrößter Produzent weltweit, fürchtet um ihre Existenz, sollte China jetzt auch noch als Marktwirtschaft anerkannt werden

Die Stahlindustrie hat die EU-Maßnahmen gegen Billigimporte aus China als viel zu lasch kritisiert. Die angekündigten vorläufigen Zölle seien ein erster Schritt, sagt der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff. Die Höhe reiche aber weit weitem nicht aus.

Die Dumpingspanne bei Importen des Werkstoffs aus China lägen in einer Größenordnung von fast 60 Prozent. Die nun beschlossenen Zölle lägen aber nur bei 14 bis 16 Prozent. "Damit wird das unfaire Verhalten der chinesischen Anbieter auf dem europäischen Markt nicht unterbunden", sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, am Dienstag bei einer Tagung in Düsseldorf.

Tausende Stahlwerker und auch Manager europäischer Stahlkonzerne hatten am Montag in Brüssel gegen Billigstahl aus China demonstriert und von der EU mehr Schutz für die heimische Industrie gefordert.

Wenn China weiter ungebremst Billigstahl nach Europa exportiere, seien die hiesigen Hersteller in ihrer Existenz bedroht, warnte Kerkhoff. Die chinesische Stahlindustrie habe in den vergangenen drei Jahren ihre Exporte auf 111 Millionen Tonnen verdoppelt, während die Anbieter aus dem Rest der Welt ihre Ausfuhren um 20 Millionen Tonnen verringert hätten.

Konzerne wie Thyssenkrupp und Salzgitter werfen den Konkurrenten aus Fernost vor, mit Hilfe staatlicher Subventionen Stahl unter den Herstellungskosten zu verkaufen. Der Branche machen seit Jahren allerdings nicht nur Billigimporte, sondern auch Überkapazitäten, Preisdruck und Klimaschutzauflagen der EU zu schaffen.

Laut Verbandspräsident Kerkhoff wird die Rohstahlproduktion in Deutschland im laufenden Jahr um 3 Prozent auf 41,5 Millionen Tonnen schrumpfen. 2007 produzierte die Schwerindustrie hierzulande noch 48,3 Millionen Tonnen.

China als anerkannte Marktwirtschaft - auch andere Industrien zittern

Die Lage der europäischen Stahlproduzenten könnte sich im Laufe des Jahres noch weiter verschärfen. Denn die EU-Kommission will darüber entscheiden, ob China als Marktwirtschaft anerkannt wird. Die Regierung in Peking besteht darauf, 15 Jahre nach dem Beitritt zur Welthandelsorganisation diesen Status zu erhalten. Gelingt dies, werden es europäische Stahlkonzerne künftig noch schwerer haben, sich gegen die Wettbewerber aus China mit Anti-Dumping-Klagen durchzusetzen.

Kritiker sehen mit der Anerkennung Chinas als Marktwirtschaft dann branchenübergreifend bis zu 3,5 Millionen Jobs in Europa gefährdet. Die EU-Kommission sieht für maximal 211.000 Arbeitsplätze ein Risiko.

Die Stahlbranche selbst wähnt in diesem Fall den Zusammenbruch ihrer Industrie in Europa. Bei einem Zusammenbruch der Stahlbranche in Europa wären die Verarbeiter nahezu vollständig abhängig von Lieferanten aus China, Russland und der Ukraine, warnte Stahlverbandspräsident Kerkhoff. Diese stellten bereits jetzt zwei Drittel der Importe in die EU.

rei mit Nachrichtenagenturen

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