Montag, 30. Mai 2016

Chancen gegen Dumping-Stahl Vier Gründe gegen die Untergangsstimmung der Stahlindustrie

Arbeiter an Hochofen in Duisburger ThyssenKrupp-Werk
Paul Tetteroo hebt seine Stimme. Der Belgier klingt trotzig, aber auch ein bisschen ungläubig, fast flehend. "Europa wurde doch auf Kohle und Stahl gegründet", sagt der Leiter des Standorts Duisburg beim weltgrößten Stahlkonzern ArcelorMittal.

Er meint nicht nur die Institution EU, die auf die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl zurückgeht - und die aus Sicht der Branche gerade zu zögerlich gegen chinesische Billigimporte vorgeht, mit ihren Klimaschutzplänen zugleich zu radikal ist, um ihre Existenz zu sichern. Er meint den Wohlstand des Kontinents, der auf die frühe Industrialisierung zurückgeht, auf Stahl als zentralen Werkstoff für Bau, Autos und unzählige Dinge des Alltags.

Die Industrie ist in Alarmstimmung. ArcelorMittals Deutschland-Chef Frank Schulz gibt zwar ein Bekenntnis zum Standort ab, jedoch ein sehr eingeschränktes: "Wir werden von Fall zu Fall entscheiden, ob wir die geplanten Investitionen auch ausführen", die ohnehin kaum die Abschreibungen aufwiegen, also auch schon einen Substanzverzehr bedeuten.

In Bremen beispielsweise muss der Konzern, der gerade den höchsten Verlust seiner Geschichte und die dritte große Kapitalerhöhung seit 2009 verkündet hat, über die Sanierung des größeren von zwei Hochöfen entscheiden, was Kapital auf Jahrzehnte binden würde. Ein Werk, das zu 95 Prozent ausgelastet ist, steht auf der Kippe. Da bröckelt ein ganzes Weltbild - wie kann das sein? Stahl wird doch gebraucht, auch in Europa, weltweit sogar mehr denn je.

Andererseits: Kleidung brauchen wir auch, und von der Textilindustrie, die mindestens genauso viel Schwung in die industrielle Revolution gebracht hat, konnte sich Europa weitgehend trennen. Stahl als Massenware aus Übersee ist keine ganz verrückte Idee, vor allem wenn der Transport fast nichts mehr kostet. "Besorgniserregend" nennt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel die Lage der Industrie.

Trotzdem - hier sind vier Gründe, um doch noch eine Zukunft für die alte Schwerindustrie in Europa zu sehen.

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