Mittwoch, 20. März 2019

Finanzinvestoren nehmen Grippostad-Hersteller von Börse Elliott ist bei Stada am Ziel

Künftig ganz in der Hand von Finanzinvestoren: Hauptsitz von Stada in Bad Vilbel nahe Frankfurt.

Die beiden Beteiligungsgesellschaften Bain und Cinven zahlen nach monatelangem Poker den Hedge-Fonds Elliott aus, um den Arzneimittelhersteller Stada (Grippostad) von der Börse nehmen zu können. Sie kündigten am Montag eine Offerte an, die fast ein Viertel höher ist als der Preis, für den sich die beiden im vergangenen Jahr 65 Prozent der Anteile gesichert hatten: 81,83 Euro.

Mit der Offerte ist der Rückzug Stadas von der Frankfurter Börse verbunden. Wer die neue Offerte nicht annimmt, kann seine Papiere danach nicht mehr am Markt verkaufen.

Von der Aufstockung der Offerte profitiert vor allem der US-Hedgefonds Elliott, der zu dem höheren Preis sein gesamtes Aktienpaket von mindestens zwölf Prozent an die Stada--Mehrheitseigentümer verkauft. Sich in laufende Übernahmen einzukaufen, um von dem Erwerber ein höheres Angebot zu verlangen, ist eines der Kerngeschäfte Elliotts in Deutschland.

Bain und Cinven müssen damit rund 350 Millionen Euro mehr für das Unternehmen aus Bad Vilbel bei Frankfurt ausgeben als geplant. Mit ihrer fünf Milliarden Euro schweren Offerte über 66,25 Euro hatten sie nur 65 Prozent der Aktien eingesammelt. Schon damals war der Kauf die größte Übernahme eines börsennotierten Unternehmen durch Finanzinvestoren in Deutschland.


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Es ist der dritte Anlauf, den Bain und Cinven nehmen, um die übrigen Stada-Aktionäre loszuwerden. Ein Angebot vom Frühjahr über 74,40 Euro war ins Leere gelaufen, weil die Stada-Papiere an der Börse stets teurer verkauft werden konnten. Am Montag lagen sie bei 81,70 Euro.

Mit dem Rückzug von der Börse profitieren Bain und Cinven von einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) von 2014. Seither haben Aktionäre eines börsennotierten Unternehmens kein Recht mehr darauf, dass sie ihre Anteilsscheine auch weiterhin an der Börse handeln können. Zahlreiche Firmen haben die Möglichkeit zu einem Delisting genutzt, bisher aber keines mit einem so hohen Streubesitz von 35 Prozent.

Reuters, soc

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