Dienstag, 21. November 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Suche nach Geldgebern zieht sich hin Insolventer Solarworld droht massiver Jobabbau

Insolvenzgeld bis Juli: Solarworld-Mitarbeiter nicht nur im sächsischen Freiberg müssen um ihre Jobs bangen

Die Suche nach Geldgebern für die insolvente Solarworld zieht sich hin - womöglich noch bis zu vier weitere Monate. Jetzt droht bei dem Solarkonzern ein massiver Stellenabbau, sagt der Insolvenzverwalter. Viele der noch verbliebenen 1850 Job sind wohl nicht zu halten.

Der insolventen Solarworld droht ein radikaler Personalabbau. Dem Solarkonzern gelinge es nicht, wegen der hohen Produktionsaufwendungen seine Personalkosten zu verdienen, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Horst Piepenburg am Montag mit. Daher werde es zu einem "signifikanten" Abbau bei den insgesamt noch 1850 Stellen kommen. Auch die Suche nach Geldgebern ziehe sich hin. Mehrere interessierte strategische Investoren aus dem In- und Ausland hätten noch einen Beratungsbedarf von bis zu vier Monaten angemeldet.

"Somit bewegen wir uns gerade im Spannungsfeld zwischen Rettungsaussichten sowie Perspektiven für SolarWorld einerseits und den aktuellen Sach-, Struktur- und Personalkosten, die wir nicht voll umfänglich erfüllen können, andererseits", erklärte Piepenburg. Über notwendigen Freistellungen werde erst in der kommenden Woche entschieden.

Nach sechs Verlustjahren hatte das einstige Aushängeschild der deutschen Solarindustrie Anfang Mai einen Insolvenzantrag gestellt. Die Mitarbeiter in der Bonner Zentrale, im sächsischen Freiberg und im thüringischen Arnstadt erhalten bis Juli Insolvenzgeld. Das entlastet die Kasse des überschuldeten Konzerns. Die Arbeitsagentur bekommt das Geld später aus der Insolvenzmasse zurück.

Geschäftsbetrieb läuft zum Teil noch weiter

Der vorläufige Insolvenzverwalter versucht zudem, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Bislang seien nicht nur Aufträge abgearbeitet, sondern auch Bestellungen im niedrigen zweistelligen Millionenbereich in die Bücher genommen worden, erklärte er. Nach vorläufigen Zahlen war das Minus beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im ersten Quartal 2017 auf 28 Millionen Euro gesunken.

2016 war der Weltmarktpreis für Solarmodule um rund ein Fünftel abgestürzt. Hintergrund sind starke Überkapazitäten in China; Solarworld wirft der chinesischen Solarbranche extremes Preisdumping vor. Zudem kämpft Solarworld in den USA mit einem Rechtsstreit: Der ehemalige US-Siliziumlieferant Hemlock hat die Deutschen auf umgerechnet rund 720 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Ein US-Gericht hatte die Hemlock-Forderung wegen nicht erfüllter Abnahmeverpflichtungen im Sommer 2016 bejaht, dagegen läuft eine Berufung von Solarworld.

rei mit Reuters

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH