Sonntag, 23. September 2018

Sinkende Umsätze Adidas fällt in USA auf Rang drei zurück

Sportartikler-Ranking: Wer auf dem US-Markt das Sagen hat
AP

Gewinnwarnung, Ärger im Golfgeschäft, Gegenwind der Politik: Für Adidas läuft es derzeit nicht rund. Hinzu kommt eine Hiobsbotschaft aus den USA: Dort sind die Franken hinter einen hierzulande relativ unbekannten Konkurrenten zurückgefallen.

Hamburg - Nike Börsen-Chart zeigen gegen Adidas Börsen-Chart zeigen - jahrelang hat das Duell der beiden den deutschen Sportartikelhersteller beherrscht. Diese Zeiten sind - zumindest in den USA - nun vorbei. Dort hat sich, was den Umsatz angeht, ein dritter Mitspieler in die Spitzengruppe vorgekämpft und Adidas beim US-Umsatz auf Platz drei verwiesen, wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf eine Untersuchung des US-Marktforschers Sportsscaninfo und den Broker Sterne Agee berichtet.

Der Untersuchung zufolge sind die Adidas-Umsätze für Sportschuhe und Bekleidung im bisherigen Jahresverlauf um 23 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar gesunken, während das erst 1996 gegründete Label Under Armour um satte 20 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar zulegen konnte. Allerdings liegen sowohl Under Armour als auch Adidas weit hinter US-Branchenführer Nike, der mit 8,9 Milliarden ein Vielfaches der beiden Konzerne umsetzte.

Das aggressive und äußerst erfolgreiche Vorpreschen des 1996 vom Football-Spieler Kevin Plank gegründete einstige Sportunterwäsche-Label Under Armour hat bereits dazu geführt, dass in der Branche von einem "Krieg" zwischen Nike und Under Armour die Rede ist.

Um den NBA-Star Kevin Durant lieferten sich beide eine regelrechte Bieterschlacht, die dazu führte, dass Nike sein Angebot für Durant unter diesem Druck letztendlich fast verdoppelte. Angeblich soll sich der Under-Armour-Chef sogar weigern, den Namen des Marktführeres auszusprechen.

Aber auch Adidas hat mit dem vor allem viral starken Newcomer-Label, das erst seit 2006 mit einem breiten Sportartikelangebot auf dem Markt ist, so seine Probleme. Zwar erwirtschaftet Adidas weltweit achtmal so viel Umsatz wie Under Armour.

Ähnlich hoher Börsenwert bei einem Bruchteil des Umsatzes

Was den Börsenwert angeht, haben die agilen Amerikaner aber schon in etwa gleichauf gezogen. Und auch das Marketinggeschäft wird mit einem weiteren aggressiven Konkurrenten vor der Nase nicht unbedingt einfacher. So verlor Adidas das bekannte US-Team Notre Dame vor kurzem an den aufstrebenden Rivalen. Und die Herzogenauracherverklagten Under Armour wegen Patentverletzungen des von Adidas entwickelten Systems Micoach.

Dass angesichts der aufstrebenden Konkurrenz im US-Markt Handlungsbedarf besteht, räumt Adidas ein. "Wir müssen uns schneller bewegen", erklärte kürzlich US-Manager Mark King, der zusammen mit Zion Adams seit Anfang Juni das US-Geschäft verantwortet und auch abseits des traditionellen Fußballmarktes stärker voranbringen will.

Um nicht weiter Boden gegenüber der Konkurrenz zu verlieren, hat Adidas angekündigt, in den kommenden 18 Monaten verstärkt in den nordamerikanischen Markt und auch in Westeuropa investieren zu wollen. So haben die Deutschen nach eigenen Angaben kürzlich vier der sechs besten Basketball-Nachwuchsspieler der NBA unter Vertrag genommen und außerdem mit Reebok die Partnerschaft mit dem erfolgreichen Cross-Fitter Rich Froning verlängert.

Allerdings ist auch Under Armour nicht tatenlos gewesen. Das Label, das seit 2011 die Tottenham Hotspurs ausrüstet, und neben Skifahrerin Lindsey Vonn, Schwimmstar Michael Phelps auch Football-Star Tom Brady unter Vertrag hat, hat nun auch dessen Ehefrau Gisele Bündchen für eine große Marketingkampagne engagiert.

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