Sonntag, 16. Dezember 2018

Was machen eigentlich ... Die Akteure des Siemens-Skandals, zehn Jahre danach

6. Teil: Thomas Ganswindt - Irgendwas mit Medien

Standhaft: Thomas Ganswindt beim ersten Siemens-Prozess vor dem Landgericht München I (2011)

Das Gegenstück zu Wucherers glattem Abgang aus der Affäre lieferte Thomas Ganswindt, der für die besonders problematische Telekommunikationssparte zuständig war. Ende November 2006 fiel sein Name als erster ehemaliger Konzernvorstand, der als Mitwisser um die schwarzen Kassen beschuldigt wurde. Im Dezember wurde er auch verhaftet und tagelang festgehalten.

Letztlich hatte er aber Erfolg mit dem Beharren auf seiner Unschuld. Er verweigerte als einer von nur zwei Vorständen den Vergleich mit Siemens (erst nach Jahren einigte man sich 2012 doch auf eine halbe Million, die Rate für die persönlich Unbelasteten).

Und auch der Strafprozess wurde 2011 letztlich gegen eine Geldauflage wegen geringer Schuld eingestellt - hauptsächlich, weil der als "Herr der Schwarzen Kassen" eingesetzte Schlüsselzeuge Reinhard Siekaczek sich in Widersprüche verwickelte.

Der Kampf gegen die Vorwürfe verhinderte aber einen Neustart. Schon kurz vor dem Bekanntwerden der Affäre war Ganswindt bei Siemens vorzeitig ausgeschieden und hatte als Chef der Luxemburger Elster Group angeheuert - dem aus Ruhrgas hervorgegangenen Weltmarktführer der Messtechnik für die Gas-, Elektro- und Wasserindustrie. Der Job war schnell hinfällig.

Stattdessen beteiligte sich Ganswindt mal hier, mal da. Das manager magazin berichtete 2013 von einer Berliner Softwarebude, wo der Ex-Siemensianer sich als Projektleiter versuchte. Außerdem baute er eine Firma namens Neleso mit auf, die Apps für Verlage entwickelt.

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