Mittwoch, 18. Juli 2018

Kompromiss mit Betriebsrat Siemens behält Turbinenwerk Görlitz - Sparziel bleibt

Demonstrierende Siemens-Arbeiter vor der Hauptversammlung Ende Januar in München

Die umstrittenen Schließungspläne für den Siemens -Standort im sächsischen Görlitz sind endgültig vom Tisch. In der Nacht einigten sich Unternehmensführung, Gesamtbetriebsrat und IG Metall auf einen Zukunftspakt für die schwächelnde Kraftwerks- und für die Antriebssparte, wie Siemens am Dienstag in München mitteilte. Dieser bilde die Grundlage für die Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan, die nun beginnen und noch im laufenden Geschäftsjahr, das am 30. September endet, abgeschlossen werden sollten.

Am Vortag hatte der Konzern eine Woche Werksferien für die Kraftwerkssparte verhängt und damit die miserable Lage unterstrichen.

Siemens hatte im November angekündigt, in den Sparten weltweit zusammen rund 6900 Jobs zu streichen, davon rund 3400 in Deutschland. Außerdem sollten zwei Standorte im sächsischen Görlitz und in Leipzig geschlossen werden, auch der Standort Offenbach stand auf der Kippe.

Die zuerst von manager magazin berichteten Pläne waren bei Arbeitnehmervertretern und auch in der Politik auf heftigen Widerstand und teils massive Kritik gestoßen. Sogar die Aktionäre Konzernchef Joe Kaeser war daraufhin bereits in den vergangenen Monaten vom Schließungsplan abgerückt.

Nun erklärte Siemens, Görlitz solle zur weltweiten Zentrale für das Industriedampfturbinengeschäft ausgebaut werden. Allerdings sei auch dort eine Restrukturierung nötig. Für Leipzig prüfe man nun auch einen möglichen Verkauf. Ein Verkaufsplan für das Werk Erfurt habe keine gute Lösung gebracht. Der Standort werde deshalb innerhalb des Konzerns saniert.

Im Fall der Standorte Berlin, Duisburg und Mülheim bleibe es bei den geplanten Kürzungen, auch wenn die als Kompetenzzentren aufgewerteten Werke durch Verlagerungen aus dem Ausland besser ausgelastet würden.

Das Geschäft am Standort Offenbach, wo Beschäftigte Kraftwerke planen und bauen, solle wie geplant mit Erlangen gebündelt werden. Dadurch werde Offenbach "perspektivisch aufgegeben", ein Teil der Mitarbeiter solle jedoch weiter im Rhein-Main-Gebiet bleiben.

"Unsere Einsparziele bleiben unverändert bestehen", betonte Personalchefin Janina Kugel. Siemens wolle die Kosten in den beiden Sparten um einen "großen" dreistelligen Millionen-Euro-Betrag senken. Ob es bei der Streichung von 3400 Jobs bleibt, werde sich in den Verhandlungen zeigen. Man sei offen für kreative Lösungen. Geeinigt habe man sich zugleich auf einen "Zukunftspakt", um künftig auf wegbrechende Geschäfte reagieren zu können. Unter anderem will der Konzern einen Zukunftsfonds mit bis zu 100 Millionen Euro für zusätzliche Weiterbildung finanzieren.

Die Arbeitnehmervertreter hatten sich anfangs Gesprächen über den Kahlschlag im Angesicht von Rekordgewinnen verweigert, sich dann aber doch bewegt. IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner sprach nun von einem "für beide Seiten akzeptablen Ergebnis".

ak/dpa-afx

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