Montag, 11. Dezember 2017

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Die wichtigsten Fragen zum Abbau in der Kraftwerksparte Hat Siemens diesen Kahlschlag nötig?

Protest in Erfurt

2. Teil: Ist die deutsche Energiewende schuld?

Nur zu einem kleinen Teil. Tatsächlich wurden infolge der Marktturbulenzen, die Investitionen in fossile Kraftwerke unprofitabel machen, laut Kaeser in den vergangenen drei Jahren in Deutschland "ganze zwei" große Gasturbinen in Deutschland bestellt. Doch die Nachfrage schwächelt auch in anderen Märkten, US-Wettbewerber General Electric Börsen-Chart zeigen leidet darunter sogar stärker als Siemens. Spartenchefin Lisa Davis verweist auf technologischen Wandel, der die gesamte Branche unter Druck setze.

Nicht einmal die Windkraftsparte, mit der sich Siemens auch auf der Gewinnerseite der Energiewende positionieren wollte, profitiert. Im Gegenteil: Die in eine Fusion mit Gamesa ausgelagerte Sparte nimmt eine ebenso harte Sanierung vor.

Gibt es gar keinen Ausweg?

Sicher, der Stromverbrauch weltweit wächst weiter und mancherorts werden auch neue fossile Kraftwerke gebaut. Doch das Potenzial hat Siemens schon ziemlich ausgereizt, vor allem der historisch größte Auftrag für neue Gaskraftwerke aus Ägypten hat der Sparte inmitten der Krise wieder Beschäftigung gegeben. "Das Ägypten-Projekt hatte uns nur etwas Aufschub verschafft", sagt nun jedoch Finanzvorstand Ralf Thomas. Im Geschäftsjahr sei der Auftragseingang um 30 Prozent geschrumpft. Das dürfte erklären, warum die bislang noch passablen Geschäftszahlen der Konzernführung Sorgen bereiten.

Könnte die Politik helfen?

An sich spricht die Energiewende nicht dagegen, dass in moderne Gaskraftwerke investiert wird. Aktuell fehlt es an Investitionsanreizen vor allem wegen der niedrigen Preise für CO2-Abgaben, worüber vor allem auf EU-Ebene viel diskutiert wird, aber wenig geschieht.

"Man weiß nicht, wann klare Regelungen den inländischen Investitionsstau auflösen werden, aber man weiß, dass es passieren wird", beharrt Werner Fembacher vom Verein der Belegschaftsaktionäre - in dieser Hoffnung müsse Siemens weiter ins Turbinengeschäft investieren, Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten wie GE sichern, die dann zuerst aufgeben, und sich für die Markterholung in einigen Jahren positionieren. Doch diese Perspektive ist für Kaeser zu ungewiss.

Hat der bisherige Stellenabbau nichts gebracht?

Unter dem Motto "Vision 2020" hatte Siemens erst 2015 den Abbau von mehr als 7000 Stellen beschlossen, davon 3300 in Deutschland - neben der Verwaltung war auch die Produktion in der Kraftwerksparte betroffen. Laut Betriebsratschefin Birgit Steinborn wurde viermal in den vergangenen drei Jahren ein Interessenausgleich für diese Bereiche verhandelt, und manches davon sei immer noch nicht umgesetzt.

"All diese Maßnahmen haben uns geholfen - aber sie reichen leider nicht aus, um dem strukturellen, also langfristigen Wandel in der Branche erfolgreich zu begegnen", erklärt Personalvorstand Kugel. Joe Kaeser hatte ohnehin ursprünglich eine fünfstellige Zahl an Jobs im Visier - und kommt nun offenbar darauf zurück.

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