Mittwoch, 13. Dezember 2017

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Schneller Konzernumbau Wie Siemens General Electric schlägt

Siemens-Chef Joe Kaeser, GE-Kollege John Flannery

2. Teil: Die Deutschen können auch von Glück reden

Im Interview mit der "Financial Times" (kostenpflichtig) äußerte sich der Siemens-Chef sogar direkt über John Flannerys im August abgetretenen Amtsvorgänger Jeff Immelt: "Ich habe ihn niemals sagen gehört, 'Entschuldigung, ich lag falsch'. Nichts wird jemals besser, indem man die Realität ignoriert."

Jetzt wird GE von aktivistischen Investoren wie Nelson Peltz unter Druck gesetzt. Schon bei dessen Einstieg 2015 nahm Joe Kaeser das als Anlass zur Mahnung: "Wenn unsere Performance nicht stimmt, werden sie irgendwann kommen, da bin ich mir ganz sicher", sagte er damals dem SPIEGEL. Lieber selbst den Konzern auseinandernehmen, bevor man dazu gezwungen wird.

"Wenn die Performance nicht stimmt, werden sie irgendwann kommen"

Allerdings haben die beiden Konzerne auch ziemlich viel gemeinsam, nicht zuletzt ihre aktuellen Probleme - nur ist GE jeweils stärker betroffen. Beide leiden vor allem im traditionellen Kerngeschäft der Kraftwerksausrüstung unter der schwachen Nachfrage nach großen Turbinen. Die von beiden als Antwort auf die Energiewende ausgebaute Windkraftsparte muss jedoch zugleich mit einer wiederholten Flaute klarkommen. Und das Geschäft mit der Öl- und Gasindustrie, von beiden deutlich ausgebaut, leidet seit Jahren unter den schwachen Rohstoffpreisen.

Siemens-Boss Kaeser musste selbst schon viel Kritik für den Kauf des Ölindustrieausrüsters Dresser-Rand einstecken: zu teuer, zur Unzeit, gerade als der Ölpreis einbrach und in der Folge die Industrie ihre Investitionsbudgets kappte. GE seinerseits, in der Branche ohnehin schon stark exponiert, schluckte mit Baker Hughes einen ähnlich großen Brocken.

Die gewählte Struktur ähnelte der, die Kaeser in der Windkraft mit Gamesa oder dem Bahngeschäft mit Alstom wählt: Mehrheit und Kontrolle für GE, aber das Risiko geteilt mit Minderheitsaktionären und die Verantwortung bei einem formell selbständigen Management. Viel genützt hat es nicht.

Im Kraftwerksgeschäft langte GE bei Alstom noch stärker zu - und wird davon in der jetzigen Krise der Sparte noch stärker belastet als Siemens mit seinem angekündigten Abbau tausender Stellen. Die Deutschen können von Glück reden, dass sie mit ihrem eigenen Gebot für Alstom gegen GE unterlagen.

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